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14 Erster Theil. Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil.

der Fluseschwelle bedecken einen Boden, der nur erst mit niedrigen Gräsern und Pflanzen bestanden ist. Diese wenig überschwemmten Ebenen werden von den Wasservögeln be­ völkert, die in dieser Zeit in unabsehbaren Zügen aus dem Süden kommen, und für den Jäger zu Fuss oder im Kahn auf den Hor’s eine ergiebige Jagd darbieten. Später wird der Pflanzen wuchs zu hoch und dicht, die Vögel ziehen eich vom Flusse zurück, sie suchen die vereinzelten Teiche und Lachen im Binnenlande auf und ziehen theilweise auch bei zunehmender Überschwemmung und fortdauernden Regen weiter nach Norden.

In der anschliessenden Südzone des Nilgebiets bieten die bäum- und strauchlosen Ufer abwechselnd im Sommer den wenig anziehenden Anblick eines weiten Sumpfes mit hohem Gras und ungeheueren Moskito-Schwärmen, im Winter einer ausgedorrten, verbrannten Ebene. Das hohe Gras, welches die Überschwemmung zurückgelassen hat, wird, nachdem es zum Theil abgeweidet, niedergestampft und ver­ dorrt ist, meistens in Brand gesteckt, um einem jungen Nachwuchs Platz zu machen, der den Heerden willkommene Weide bietet.

Der Mimosen-Wald besitzt seine Talha, die in dieser Breite immer grün sind und im Winter blühen; er besitzt seine immergrünen Zizyphus, Balaniten, Capparideen , aber im Winter ist der Boden mit dürren Zweigen bestreut und die Lichtungen sind ebenso verbrannt wie die Ebene. Im Sommer überzieht sich der Boden mit einem Pflanzenteppich und ist oft an vielen Stellen wegen der vielen Regenwasser­ lachen ungangbar. Die hübschen gelben und rothen Oryx, die Webervögel, die zahlreichen Finkeuarten, welche diesen Theil des Waldes in unzählbaren Schwärmen bewohnen, halten jetzt ihre Paarungszeit und bedecken die Bäume mit ihren theilweise kunstvollen Nestern. Im September und Oktober werden die Kräuter gelb und schiessen in die Länge, bald hernach nimmt der Wald wieder sein Winter­ aussehen an.

Die Waldzone des Gog weist einen auffallenderen Wechsel der Jahreszeiten auf. Im Winter zeigt sie fast dasselbe trostlose Aussehen unserer Wälder in derselben Jahres­ zeit. Der grösste Theil der Bäume verliert die Blätter, der Boden ist trocken und ausgedörrt, nirgends Wasser zu finden, so dass alle Thiere ihn verlassen, um dem Flusse näher zu kommen. Trotzdem kann man das Gog im Winter nicht unbewohnbar nennen. Durch Brunnengraben lässt sich fast überall permanentes Wasser finden; freilich nicht für die grossen Heerden genügend. Einige Haddadin-(Schmiede-) Familien haben sich Brunnen gegraben und bewohnen das Gog das ganze Jahr hindurch. Im April fängt in Folge der Äquinoctial- und einzelner sporadischer Regen Alles an zu knospen und zu grünen, wie in unseren Klimaten, der Boden überzieht sich mit einem grünen Teppich, den einige Blumen zieren. Die Regenwasser bilden hie und da Lachen, in denen sich Baumgruppen spiegeln, während sie auf der andern Seite von einer grünen Wiese umgeben sind. Hier kommen Tian und Ber zur Tränke, die Eber, die Löwen und die Hyänen folgen den Pflanzenfressern nach, die Affen kommen truppweise an, sobald die ersten Beeren reifen. Perlhühner erfüllen den Wald mit ihrem lauten Geschrei, um die grösseren Teiche versammeln sich zahlreiche Arten von Wasser vögeln, von denen eine nach der andern den Wald aufsucht. Tausende von Vögeln kleiden sich jetzt in ihr glänzendes Sommergefieder und zwitschern im Laubwerk.

Wie der Sommer vorrückt, beladen sich die Sträucher mit einer Last von Beeren, der Nahrung von neuen Vogel­ arten , die nach Maassgabe der Reifezeit erst erscheinen. Der Herbst kommt an und mit ihm die letzten Früchte. Der Wald fängt an, sich gelb zu färben, die Laubkronen werden lichter, die Wasservögel, die Perlhühner, das Wild ziehen dem Flusse zu. Im September und Oktober schiesst ein langes Gras, ähnlich dem Hafer, rasch in die Höhe und ersetzt die Rasendecke; es trocknet und reift seine Körner, die, mit einem Stachel versehen, sich in die Haut und die Kleider einbohren und jegliches Vergnügen an Jagd oder Spaziergängen unterdrücken. Im November entfernen sich die Vögel und verlieren ihr schönes Gefieder zur selben Zeit, wo der Blätterfall im Walde sein Ende erreicht hat. Frühling, Sommer und Herbst sind sich ungefähr gefolgt wie in unseren Gegenden. Es kommt nun der Winter, aber kein Winter mit Schnee und Eis, sondern ein Winter mit Feuer, der die Erde versengt und ausdörrt, bis die ersten Regen des Frühjahrs sie wieder zum Leben erwecken.

VI. Thier- und Pflanzenwelt im Kir-Gebiet zwischen 6° und 8° N. Br.

Aus den Darlegungen der beiden vorhergehenden Ab­ schnitte ergiebt sich schon, dass auch bei tiefer gehender Betrachtung Pflanzen- und Thierwelt in den drei zum Fluss parallele» Strichen einen sehr verschiedenen Charakter offenbaren werden. Die Flussufer bilden mit dem Wasser fast eine Fläche, ohne Erhebung des Bodens, ohne Baum, oline Strauch; nur hohe Gräser und Sumpfpflanzen sind vorhanden, zwischen denen ein paar armselige Fischer­ dörfchen versteckt liegen. Dieses Schauspiel von lang­ weiligster Einförmigkeit wird nur durch die ungemeine Verschiedenheit der Wasser- und Strandvögel instructiv, die man beobachten kann. Da sieht man Jabirus, Marabuts, Tantalus, Ibis, Strandläufer, schwarze Störche, fünf oder sechs Reiherarten, grosse und kleine Silberreiher, weisse Löffel­ reiher, Nachtreiher, unzählbare Kranichzüge, rauschende Schwärme von Kronenreihern und eine Menge anderer stelz­ beiniger Vögel von geringerer Grösse; mehrere Arten von Regenpfeifern, den Spornflügel, die Ägyptische Ralle, Parra Jacana, Oedicnema, Umbretten, Avosetten, Sumpfläufer, Rhyncheen, rothfüssige Strandreiter, Becassinen, Flamingos, Glareolen; kurz es scheinen fast alle Gattungen der Wasser­ vögel hier vertreten zu sein. Von Schwimmvögeln sieht man Anas gambensis, die Ägyptische Gans, die Warzengans, 3 Arten von Enten, Löffelenten, Knäkenten, 4 Arten von Pelikanen, die elegante Anhinga und 2 oder 3 Arten von Möven. Wenig sperlingsartige Vögel bewohnen die Fluss­ ufer; man sieht einige hübsche Arten von Eisvögeln, wor­ unter sich die prächtigen Alcedo cristata und atricapilla auszeichnen, glänzende Merops, namentlich der Merops nubicus, einer der schönsten Vögel, die man kennt, die auf Insekten Jagd machen; grosse Schwärme kleiner Sperlinge, Webervögel, Ammern, Schwalben von mehreren verschie­

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