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Erster Theil. Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil. 13 Vegetation und Fauna bemerklich macht. Der nördlich ge legene Theil der grossen Ebene, der eigentliche Sudan, bildet geologisch den Anfang des oberen Nubiens oder wenigstens die Übergangsform zwischen Nubien und den Ebenen des Sôbât und Kir. Ebenso bereiten die Rohr- und jAnbag-Dickichte auf den überschwemmten Ufern des Flusses im südlichen Theil dieser Region auf die Sumpfvegetation des Kir und Gazai vor.
Die Pflanzenwelt der Ebenen schliesst sich an die Nubische an. Die Dattelpalme in wildem und verkümmertem Zustand bedeckt im Norden noch einige Strecken, auch die Dom-Palme ist häufig. Ausgedehnte Mimosen-Wälder mit Sant und Haśab, die im Süden verschwinden, Talha, Qaqa müt &c. bedecken die Ebenen vom Fluss bis oft weit in’s Innere. Die Doleb-Palme ist der charakteristische Baum dieser Region; die Qôlquâl - Euphorbie tritt auf und einige andere Bäume, die an das „Gog” der südlicheren Ebenen erinnern.
Südlich von 9ya° ist der Boden- und Vegetations charakter vorzüglich von der Entfernung von einem Fluss lauf abhängig. Die an die Ufer sich anschliessenden, meist nach aussen geneigten Flächen bedecken sich mit Gräsern und Pflanzen, die mehr oder weniger Sumpfcharakter haben, je nachdem der Boden tiefer oder höher liegt und in Folge von Anschwemmung oder Wind weniger oder mehr sandig ist. An den Orten, die das Flusswasser nicht mehr er reicht, wo auf den höher gelegenen Bodenflächen nur noch ausgedehnte Regenwasserlachen fast das ganze Jahr hin durch stehen bleiben und der Boden nicht aus allzu fettem Lehm, der nur Gras hervorbringen kann, besteht, da wachsen die Pflanzen des Sudan, Mimosen, Zizyphus, Balaniten, kletternde Capparideen. Da, wo der Boden fortfährt, etwas anzusteigen, kommt der Fels oft zum Vorschein und ist überhaupt nur von einer dünnen Schicht von Sand und Humus in verschiedenen Mischungsverhältnissen bedeckt. Die atmosphärischen Wasser werden nicht mehr festgehalten und bilden nur an einigen Stellen bald austrocknende Teiche. Diese Region ist das Gog mit einer ganz charakteristischen Waldvegetation. Von dem Culminationspunkt dieser Region senkt sich das Land wieder mit denselben Übergangsformen zu einem anderen Flusslauf und so weiter. Das Gog be ginnt nördlich ungefähr in der Breite der Mündung des Njebor (etwa 7 */ 2 °), von wo es sich gegen den Fluss der Röl hinüberzieht. Nördlich senkt sich das Land gegen die Confluenz von Kir und Gazai hin und diese Ebenen ge hören der vorhergehenden Zone der Mimosen an, denen sich aber Dôm, Dolêb, Dattelpalmen und eine Anzahl Rak (Butterbäume) zugesellen, so wie auch die Euphorbie, und viele andere Bäume, die dem Gog fremd sind. Das Gog begleitet den Kir auf seiner Westseite durch das Gebiet der Elyab, wo es sich dem Flusse nähert, durch das der Sir, deren hügelige Waldlandschaft einen schönen Anblick ge währt, bis zu den Bari, wo der arme und steinige Boden, abgesehen von einzelnen zerstreuten Büschen, keine Gäba mehr besitzt und kein Wild. Weiter im Süden und Westen beginnt die Region des Bambus und der Banane.
Die Ebenen östlich vom Kir scheinen im Allgemeinen tiefer zu liegen als westlich, denn zwischen Kir und Sôbât giebt es nur Mimosen-Wälder (Talha, Qaqamüt) mit Phoenix-, Dôm- und Dolêb-Palmen, durchschnitten von Niederungen, die im Sommer überschwemmt, im Winter ausgetrocknet sind. Die Wipfel sind namentlich von Coracinen belebt; die Bewohner des Waldes sind Zebra, Giraffen, Elephanten mit sehr grossen Zähnen, Hyänen &c. Von Óongolek, 3 Lieues östlich von Agorbar, weicht der Wald mehr und mehr vom Fluss zurück; weiter gegen den Sôbât hin folgen weite, fast waldlose Ebenen, so dass der Übergang zur Flora des Süd-Abyssinischen Hochlandes ohne die Zwischenformen des Gog stattzufinden scheint.
V. Über den Einfluss des Wechsels der Jahreszeiten auf den landschaftlichen Charakter des Nillandes.
Der Anblick des Landes in den verschiedenen Jahres zeiten bietet in dem nördlichen Theile des betrachteten Gebietes, d. h. zwischen Hartum und der Gazal-Mündung, dieselbe Einförmigkeit dar, die dem Sudan und dem oberen Nubien eigenthümlich ist. An den Flussufern wächst und treibt es in ewigem Sommer; der einzige Unterschied ist der, dass im Sommer die reichlicher bewässerten Ufer sumpfiger und mehr von hohen Gräsern überwuchert werden (namentlich in der Schilf- und >Anbäg-Gegend des südlichen Theils dieser Zone), so dass der Winter die schönere Jahres zeit ist. In der Entfernung vom Flusse ist, wie sonst überall im Sudan, im Winter Alles fast ausgetrocknet und grünt im Sommer mit den Regen. In dieser Zone giebt es eine sehr kleine Zahl von eigentlich einer südlicheren Zone angehörenden Bäumen, die ihre Blätter verlieren. Die zahlreichen strauchartigen, kletternden und baumartigen Capparideen, mehrere Mimosen-Arten (der Qaqamüt z. B., der an manchen Orten beträchtliche Wälder bildet, ist im Winter ohne Laub; die Talha hält zwar keine unthätige Winterpause, aber ihre Vegetation wird beträchtlich lang samer und sie sondert im Sommer sehr reichlich Gummi ab), die Balaniten, Zizyphus, die Dolêb, Dôm und die wilden Dattelpalmen, die Qolquäl-Euphorbien, die beinahe die ganze Vegetation ausmachen, bleiben immer grün. Es ist bemerkenswerth, dass die zwischen Hartüm und dem Tefafam so häufigen Sant (so wie auch die Capparideen) niemals frischer grün sind, als im Winter, zu der Zeit, wo sie sich mit den Tausenden von goldgelben Knospen bedecken und die Luft mit Wohlgerüchen erfüllen. Um diese Jahreszeit sind die Nilufer am schönsten ; sie sind von grünenden Sant-Wäldern umsäumt, die Ufer von grünen Wiesen be deckt, die Asclepias voll hübscher Blüthen und verschiedene Convolvulus am Wasserrand. Die Abelan, welche umher spielen, die Myriaden von Wasservögeln, die sich am Strande aufhalten, beleben das Landschaftsbild des Flusses. Das übrige Land ist eine ausgetrocknete, von nieder gestampften , welken Gräsern bedeckte Ebene, weiterhin die vertrocknete Gaba von Qaqamüt und Talha.
Im Sommer ist das überschwemmte, unter hohem Gras verborgene und von Moskitos überdeckte Ufer nicht mehr von den Wasservögeln belebt, die keinen trockenen Strand, wie sie ihn brauchen, mehr finden und sich in’s Innere verbreiten. Das ist aber die Zeit, wo der Wald grünt, wo sich zu den immergrünen Bäumen auch Qaqamüt und Talha im Laubschmuck zugesellen. — Die ersten Wasser