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12 Erster Theil. Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil.

landes begrenzt wird. Im Süden kann man ihre Grenze , da setzen, wo unter etwa 4 */ 2 ° N. Br. der Nil von einer Reihe vereinzelter Berggruppen gekreuzt wird, die in ihm zur Entstehung einiger Stromschnellen Veranlassung geben. Die Fortsetzung dieser allmählich compakter, wenn auch nicht viel höher werdenden Berge gegen Nordwesten bis jenseit des Gur-Gebietes, bildet die weit hinaus geschobene Südhälfte der Westgrenze dieser Ebene, die im Norden in grösserer Nähe bei dem Strom durch die Gebirge von Kor­ dofan und Takla ihre westlichen Schranken findet. Die be­ merkens wertheste Eigenschaft dieser Ebene besteht in ihrer ausserordentlich geringen Neigung gegen den Horizont, denn von Hartum in 15° 37' N. Br. mit 380 m. bis Gondokoro unter 4° 54' N. Br. steigt der Boden nur um etwa 90 m.1). Die Stromgeschwindigkeiten zeigen, dass das Ge­ fälle von Gondokoro bis zur Mündung des Bahr-el-Gazal etwas grösser ist, als dasjenige von dort bis Hartum. — Geht man von diesem Ort gegen Süden, so bietet die Ebene bis gegen den 9. Breitengrad hin einige vereinzelte Er­ hebungen von Sandstein, welche sich von denjenigen in Nubien dadurch unterscheiden, dass diese meist tafelförmig und horizontal geschichtet sind, während die des Weissen Nil meist in Form von Gräten zerklüftet und mit verschieden geneigter Schichtenlage auftreten. Südlich vom 9. Parallel­ kreis verschwinden diese Erhebungen so vollständig, dass man bis zum 6. Grad nur eine einzige unter etwa 6° 40', zwei Tagereisen westlich vom Fluss, trifft und dann unter etwa 6° zwei benachbarte Berge ungefähr in 31° Ö. L. von Paris.

*) Nach den neuesten Messungen von J. A. Baker. (Baker, Ismaï-lia II. Appendix; Journ. R. Geogr. Soc. XLIV, 66). 8. auch Hann’s Berechnungen in Geogr. Mitth. 1875, 8. 346.

Diese Fläche, die so vollkommen eben ist, dass sie kaum einige wahrnehmbare Undulationen zeigt, besteht trotzdem aus einer sehr alten Formation, aus rothem Sandstein der Buntsandsteinformation, der grosse Flächen so eben wie ein Strassenpflaster enthält, die nur von kleinen Unregelmässig­ keiten unterbrochen und mit unbedeutenden Blöcken meist von cubischer Gestalt mit mehr oder weniger abgerundeten Kanten bestreut ist. Man findet kein Stück von anderem Gestein, mit Ausnahme seltener erratischer Blöcke von gra­ nitischem Gestein und geringer Grösse, die von weit her stammen und von den Negern eifrig zu Amboseu gesucht werden. An der Oberfläche des Sandsteins findet man bis­ weilen kleine Einlagerungen von Kalkstein in kleinen leicht zerreiblichen Stücken. Auch sind einzelne Partien des Gesteins ziemlich reich an Eisenstein, der von den Negern ausgebeutet wird. Über diesem Felsgrund findet sich nur etwas Sand und Alluvialboden, herrührend von der Verwitterung des Felsens und der Anschwemmung der Flüsse und des Regens, und die Einförmigkeit der Ebene wird nur unterbrochen durch die aus Sand erbauten Ter­ mitenhügel, die die staunenswertste Höhe von 12—15 Fuss erreichen.

Der Nil, dessen Lauf meist begleitet wird von Neben­ betten, sogenannten Hör, die von ihm ausgehen und weiter abwärts zu ihm zurückführen, der Sôbât und seine zahl­ reichen Nebenflüsse, die theilweise unter sich und mit dem Kir durch den Bahr Zeraf in Verbindung stehen, endlich der vielverzweigte Unterlauf des Bahr Gazai nehmen ihren Lauf natürlich längs der tiefsten Stellen dieser Ebene. Nun erhöhen aber diese Flüsse (namentlich ist diese am Kir zu beobachten) ihr Bett durch die Ablagerungen, und die Ufer erhöhen sich ungefähr in demselben Verhältniss, weil beim Übertreten des geschwollenen Flusses die Ablagerungen in der Nähe stärker Statt finden als weiter entfernt und weil die dichte Ufer vegetation den Absatz begünstigt. Daher kommt es, dass in seinem eigentlichen Thal der Fluss in einem erhöhten Bett läuft, gleichsam auf der Krone eines Dammes, wie diese auch in Ägypten bekanntlich auf grosse Strecken hin der Fall ist. Jenseit seiner Ufer, die jetzt meist trocken bleiben, liegen Ebenen, die der Fluss über­ schwemmt, meist in Folge von Durchbrüchen seiner Ufer­ bänke, zu denen oft schon ein von Flusspferden ausge­ tretener Pfad Veranlassung werden kann. Auf diese Weise schafft sich der Fluss selbst Seitenbetten, Hinterwasser, die mit einander in Verbindung treten und mit dem Fluss an den Stellen der ursprünglichen Durchbrüche in mehr oder weniger dauernder Verbindung bleiben. Dadurch werden aber diese Ebenen selbst wieder den Alluvionen ausgesetzt und ihr Boden manchmal überraschend schnell aufgefüllt, wie diess gegenüber Agorbar sehr deutlich zu beobachten war; dann nehmen die austretenden Wasser andere Stellen ein und die Gestalt und der Verlauf dieser Hör ist bestän­ digem Wechsel unterworfen.

Aber auch der Lauf der Hauptströme ist ähnlichen Ver­ änderungen unterworfen. Sie verstopfen sich namentlich durch Bildung von Etherien-Bänken Es entstehen zuerst kleine, bis zum Wasserspiegel heranreichende Muschelklum­ pen, deren Oberfläche sich dann in Folge von Anschwem­ mungen mit Humus und Vegetation bedeckt, so dass sich um sie Sandbänke und Inselgruppen oft förmliche Dämme quer durch den Fluss bilden. Dieser durchbricht dann irgendwo seine Ufer oder nimmt den Weg durch einen der schon bestehenden Verbindungskanäle in die seitliche Nie­ derung, die nun eine Strecke weit zum Hauptflussbett wird. Hindernisse ähnlicher Art geben die Pflanzenmassen ab, die im seichten Wasser wachsen. Convolvulus, Polygonum und eine Menge von kriechenden Wasserpflanzen, zwischen denen die schwimmenden Fucus hängen bleiben, geben mit der Zeit ungeheuere Ablagerungen. Durch solche Pflanzenflötze ist der No-See ausgefüllt worden und der Gazellen­ fluss muss sich beständig neue Wege durch das »Anba£-und Qesê-Dickicht bahnen, das ihn überwuchert. — Von grösseren Wechseln im Stromlauf des Kir sind verschiedene festzustellen. Der Hör, der von Agorbar zur Mission führt und noch 1859 schiffbar war, ist es jetzt nicht mehr. Der von d’Arnaud befahrene Arm, der mit dem Anfang des Zeraf und dem Kir eine Insel bildet, ist jetzt verstopft und die sumpfige Insel von Nuêr bevölkert und angebaut. In der Höhe von Heiligenkreuz hatte vor zwei Generationen der Hauptstrom einen östlicheren Lauf, und der Wechsel wurde Veranlassung zu dem Krieg zwischen den Kic und den Tuie.

Die Ablagerungen des Flusses bestehen in Thon, Sand und Humus, so wie in grossen Mengen von Eisenoxyd.

Der Parallelkreis der Sôbât- und Gazal-Mündung (etwa 9*/ 2°) bildet eine geologische Grenze, die sich auch in

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