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------------------------------------------- -* I 10 Erster Theil. Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil. ♦ Hauptorte Lwal aus 1 oder 2 Stunden weit nach Norden ausdehnt, bis dahin, wo im Sommer der Fluss aufhört, mit Wasser gefüllt zu sein, und etwas weiter gegen Süden.

Sie haben wenig Glaswaaren, wie die Kiö, da sie fast nur Geneto um den Hals tragen. — Die Race ist schön, namentlich die Mädchen. Einen merkwürdigen Unterschied in den Zähnen findet man bei verschiedenen Individuen, von den schönsten bis zu den hässlichsten, die in Spatel­ form schief aus dem Munde hervorragen. Die Weiber haben die Ohren ganz mit Melan (messingenen Ohrringen) eingefasst, an der rechten Hand haben sie 2 sehr grosse eiserne Armbänder, an der linken 11 kleinere, die sich auf der Rückseite des Armes öffnen. Der Kopf ist ent­ weder ganz rasirt oder doch die Haare sehr kurz geschoren. An der linken Schulter haben sie ein Armband mit Ärmel­ stück, an der rechten 2 kupferne Armbänder. Um die Beine tragen sie breite Ringe bis auf 2/з der Länge herauf. Als Kleidung haben sie vorn einen mit Eisen Stückchen ge­ säumten Schurz, der etwas weiter als bis zum halben Bein hinabreicht. Er ist etwas breiter als der halbe Körper­ umfang um die Hüften und endigt nach unten schmäler werdend mit einer Wad>a (Kauri-Muschel) auf dem abge­ rundeten Ende. Hinten haben sie ein zweites Fell, mit Eisenperlen gesäumt, das bis zur Achillessehne hinabreicht und in zwei perlengezierte Spitzen ausläuft. Manchmal auch haben sie ein eisenperlenbesetztes Fell von den Schul­ tern bis auf die Kniee herabhängen. Junge Mädchen haben denselben Schmuck. Der Gürtel besteht aus 4 Reihen von Wadja oder aus Lederstreifen mit einem Band, von dem hinten kreissegmentförmige Verzierungen herabhängen. Vorn schliesst er mit 2 Bered (wörtlich „Hagelkorn”, sind grosse Glasperlen etwa von der Gestalt und Grösse eines Tauben­ eies) zwischen einigen Niautät (kleinen weissen Glasperlen). Das Halsband ist von Geneto. Mehrere durchbohren sich die Oberlippe und bringen darin gelegentlich einen Ring an. Bisweilen ist das Ohr ganz von kleinen Löchern durch­ bohrt, durch welche Strohhalme gesteckt werden.

Die Männer tragen den Kopf ebenfalls rasirt oder kurz geschoren, kraus und mit Ocker gefärbt. Sie haben ein Halsband von Geneto mit 2 Böred; an der linken Hand ein breites und ein schmales kupfernes Armband, oder auch eiserne. An der rechten Schulter haben sie das eiserne Armband mit Ärmelstück. Der Gürtel besteht aus 2 Reihen Ferusi ; um das Bein binden sie einen Streifen Gepardfell. Auf den Schultern haben sie ein Mäntelchen. In den Händen wird meist nur ein langer Stock getragen, sie haben aber auch Lanze, Bogen und Pfeile. Die Lanze der Atwot ist die gewöhnliche mit langer Spitze; sie ist 73/4 Fuss lang und ist von der Spitze herab noch 3/4 Fuss mit langen eisernen Streifen geziert; am unteren Ende ist sie 1 Fuss lang mit Kupferblech umwickelt, doch endigt sie mit Eisenblech, welches vom Kupfer durch einen herum­ gehenden Haarbüschel getrennt ist. Das Holz ist von Bambus, strohfarben oder röthlich. Die Kinder haben ein Kaukab von ähnlichen Verhältnissen. Der Köcher ist wie bei den Kic-Häuptlingen mit 2 Pfeilen, die weit länger sind als die anderen.

Nachdem schon am 14. März die Leute zum Fluss zurückgegangen waren, brach auch ich am 22. auf, über­ nachtete zuerst in einer Mirja und kam am 23. März nach Ban (od. Bian in Ibrahim Bas Itinerar, Geogr. Mitth. Erg.-Heft 15, S. 45, Biong auf Petherick’s Karte, Geogr. Mitth. 1866, Taf. 10).

Den 24. schlief ich in Mobok, den 25. und 26. bei Óokwi, den 27. bei Dwolben.

Erkundigte Itinerarien.

Von Atwot nach El was (oder Elwag) 1 Tag SW. oder S., von Elwaś nach Mandar 1 Tag, Fluss; von Mandar nach Gur Baqr 1 Tag und etwas weiter ein grosser schnell­ fliessender Fluss mit Bambusrohr. Von diesem Fluss zu einem andern, der rasch über Steine dahinfliesst, über die man im Sommer trockenen Fusses hinüber kommen kann, im Winter aber nur mittelst eines Stegs von Bambusrohr (Manga), 1 Tag. Dann kommen die Dor, die aber nur ein beschränktes Terrain einnehmen, und dann die Niam-niam.

Westlich von Lwal liegt Atwot -el-kebir, nordwestlich von Lwal óemìd an dem grossen Fluss.

Nach der Rückkehr von dem Ausflug zu den Atwot verweilte de Pruyssenaere wahrscheinlich noch mehrere Monate am Weissen Fluss zwischen 6 */2° UL*d 9° N. Br., vielleicht auch auf dem Gazellenfluss. Sicher ist, dass er erst am 5. Oktober 1860 nach Har$üm zurückkehrte und dass er sich am 1. Januar 1861 in Kairo befand. Es fällt in diese und die folgende Zeit eine Reise nach Europa, theils, wie es scheint, veranlasst durch den kurz zuvor er­ folgten Tod seines Vaters, theils aber auch durch das Be­ streben, sich neu und zwar insbesondere mit astronomischen Instrumenten auszurüsten. — Am 19. November 1861 traf der unermüdliche Reisende schon wieder in Hartüm ein, machte im Januar einen Ausflug zu Schiff nach Sennär und zurück und trat dann, wahrscheinlich im Februar, eine neue Reise den Weissen Fluss hinauf an. Vermuthlich war seine Hauptabsicht, einige der früher besuchten Punkte astrono­ misch festzulegen. Obgleich eine Menge Blätter vorhanden sind, die zeigen, dass er mit seiner gewöhnlichen unermüd­ lichen Energie die ihm ungewohnten astronomischen Orts­ bestimmungen praktisch wie theoretisch geübt hat, liegen doch die definitiven Resultate seiner Beobachtungen in Abu Kuka (Anfangs Mai 1862) nicht in Zahlen vor und nur aus einer von ihm zu jener Zeit gezeichneten Kartenskizze ist zu ersehen, dass sein Endresultat ein befriedigendes gewesen ist, denn es liegt darauf Abu Kuka unter 6° 54', fast ge­ nau mit Petherick’s späterer Positionsbestimmung überein­ stimmend. — Auf der Rückreise machte de Pruyssenaere einen Versuch, auf dem Söbat vorzudringen. Er gelangte etwa 30—40 Meilen (60 = 1°) weiter hinauf als Werne mit der zweiten Ägyptischen Expedition und seine Reise ist um so wichtiger, als der Endpunkt astronomisch festgelegt ist. Leider sind äusser den Elementen der astronomischen Be­ obachtungen nur spärliche Notizen über diese Fahrt vor­ handen, mit deren wortgetreuer Übersetzung der erzählende Theil über die Reisen im Gebiete des oberen Weissen Nil seinen Abschluss erhält. Es folgt dann noch die allgemeine Schilderung von Natur und Bewohnern dieses Gebiets. — Vom Söbat nach Hartum zurückgekehrt, traf de Pruysse­ naere daselbst Anfangs Juli mit v. Heuglin und Steudne zusammen (v. Heuglin, Reise in d. Gebiet d. Weissen Nil,

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