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Erster Theil. Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil. 9 Nachts Kegen fielen und die Moskitos Tag und Nacht die Menschen peinigten. Die Reise ging nur eine Tagereise weit westlich vom Flusse ab bis zu den Viehparks des Häuptlings Óokwi, wo, wie es scheint, auf mehr als ein halbes Jahr Standquartier genommen wurde. Die Zeit wurde zu naturhistorischen Forschungen und Sammlungen, so wie zu Erkundigungen über die umliegenden Gegenden und Völkerstämme verwandt, von deren Resultaten Vieles von dem Reisenden selbst zusammengestellt worden ist und weiter unten, so vollständig es nach den erhaltenen Auf­ zeichnungen möglich war, mitgetheilt wird.

Ende Januar 1860 befand sich de Pruyssenaere wieder in Agorbar und am 7. März desselben Jahres wurde die grosse Expedition nach dem Westen angetreten, die aber schon nach wenigen Tagen wegen Wasser- und Träger­ mangel zum Stillstand kam. Doch auch die kurze zurück­ gelegte Strecke ist vou Interesse, weil sie in das Gebiet der Atwot führt, welches vorher noch nie und nachher nur einmal am äussersten Nordende von einem gebildeten Reisenden (Petherick) ’) berührt und nur sehr skizzenhaft beschrieben worden ist. Auch J. Poncet weiss nur wenige Worte über die A tot (wie er schreibt) zu sagen* 2). Das Tagebuch über diese kurze Reise ist glücklicherweise er­ halten, nebst einer zugehörigen Routenkarte. Der Ausgangs­ punkt ist die damals vou Herrn Kaufmann besetzte Missions­ station Heiligenkreuz, Panom bei den Kic genannt. Pan oder Fan heisst in der Denqa-Sprache Land oder Dorf. Lejean nennt den Ort Fantentoum 3), wahrscheinlich eine Zusammen­ setzung aus 3 Worten, wovon das erste und letzte mit Pau und Om identisch sind. Lejean übersetzt: Le village dans le bois.

*) Proc. R. Geogr. Soc. Vili, 126 ff.; Geogr. Mitth. 1866, S. 177. î) Poncet, Le Fleuve Blanc, p. 54 ; Sonderabdruck aus Nouv. Ann. des voyages 1863.

3) Lejean, Voyage aux deux Nils, p. 52. 4) Es ist diese wahrscheinlich der Ort, bis zu dem v. Harnier vor­ drang, und den er Gok nannte. Reise am oberen Nil, S. 25; Geogr. Mitth. Ergb(L H, 8. 129. » Reisen und Forschungen. I.

II. Heise zu den Atwot. Am 7. März 1860 gingen wir bis zu den Brunnen von óenok 4). Der Boden besteht abwechselnd aus Ebenen, mit trockenen Gräsern und Kräutern bedeckt, und Gehölzen von Talha, Qaqamüt, Balaniten, Sidr, die an manchen Stellen noch frisch grün sind. Die Mimosen und Kapernsträuche sind in Blüthe, ebenso die Asclepias gigantea. Die Alcaya roca verbreitet einen harzigen Geruch und zeigt sich mit Trauben von kleinen Beeren von kapernähnlichem Ge­ schmack bedeckt. Von Zeit zu Zeit sieht man ärmliche Dörfchen von Fischern mit halbkugelförmigen Hütten von Felekab, meist mit Qess gedeckt, die Feuerstelle von Thon, und umgeben von elenden Umzäunungen. Wir sahen Tian-Antilopen, Strausse, Francolinhühner, Perlhühner. Indem man sich óenok nähert, fangen die Bäume des Gog an sichtbar zu werden. Óenok ist ein Fischerdorf, an einer Niederung gelegen, die eine grüne Wiese, von blühenden Bäumen umgeben, bildet. Unter diesen bemerkte ich eine schöne baumartige Capparidee mit violetten Staubfäden. Eine Menge von Schmetterlingen und Vögeln (Finken, Fliegenschnäpper, Würger, Raubvögel) versammeln sich um einige kreisrunde, von Hecken umgebene Brunnen.

Den 8. März reisen wir Nachmittags von Óenok ab durch das Gog *), welches bald ausgetrockuet, bald frisch grün erscheint, je nach den Arten der Bäume und der Bodenerhebung. Wir kamen durch einige damals verlassene Negerdörfer, dann durch die zugehörigen Viehparks. Oft ist der Wald von trockenen und dornigen Bäumen schwer durchdringlich. Nahe bei der Mir>a von Gediak sieht man die rothe Erde, wovon so oft die Haut der Elephanten roth gefärbt erscheint. Nahe bei der Mir>a von Afio hat man den höchsten Punkt des Gog erreicht und steigt von dort rasch nach der andern Seite hinab. Der Boden ist im Ganzen sandig, bald roth, bald weiss, röthliche Bänke von metamorphischem Sandstein streichen im Boden hin.

9. März. Der Marsch dauert fort. Das Gog wird viel grüner und enthält grosse schöne Bäume, worunter der Butterbaum reichlich vertreten ist. Die heisse Tageszeit ruhen wir in einer Mirja der Atwot, von wo wir um jAsr weiter ziehen. Der Boden ist im Allgemeinen roth. Wir leiden Durst. Abends 7 У2 Rhr kommen wir zu den ersten Wohnungen der Atwot, einem grossen Dorfe mit weit auseinanderliegenden Häusern ohne Umzäunungen, ähnlich denen der Kic, ohne Reküba, aber mit einem Toqül für die Durra und einem mit Strohbündeln gedeckten Balken­ dach für die Ziegen versehen. Am Ende des Dorfes gegen den Fluss hin eine eingezäunte Mirja mit zahlreichen Toqül. Die Mirja, wo wir bleiben, ist in mehrere Abtheilungen getheilt und hat Reküben aus starken Balken, mit Zweigen und einer dicken Erdschicht bedeckt. Durra, Doljn, etwas Tabak, Bataten, Weinstöcke, Alupa, eine Leguminose mit mehligem Endocarpium und Frucht von der Gestalt einer kleinen Citrone an grossem Baume, schöne Bignonia. Der Piroguenbaum wächst in grosser Zahl und Schönheit an den Ufern des Liei. Der rothe Boden setzt sich bis bei­ nahe an den Fluss fort, nur ein ganz schmaler Alluvial­ streifen ist vorhanden, auf dem sich einige Qaqamüt und Heglig zeigen. Der schmale, stagnirende Fluss scheint wäh­ rend der Regenzeit eine bedeutende Breite zu gewinnen. — Die Karawane kann den Fluss nicht mehr erreichen, wir lassen deshalb nur das nöthige Wasser dort holen und bleiben bei den ersten Häusern des Dorfes über Nacht.

10. März. Wir ziehen durch das Dorf und richten uns unter einem grossen Piroguenbaume eine kleine Viertel­ stunde vom Flusse ein.

Vom 11. bis 22. März bleiben wir an diesem Orte, wo Zweighütten erbaut werden. Es zeigt sich ausserordentlich schwierig, Durra zu kaufen. Die Leute gehen auf die Jagd, ohne etwas zu finden. Ich sah die kleine Antilope, welche Amok genannt wird; in der Ferne sah ich weisse Zebu von hohem Wuchs mit langen Hörnern; im Wald fand ich eine schöne baumförmige Bignoniacee und eine mächtige Capparidee.

Hier kommt das Amon vor, ein Wiederkäuer ohne Hörner, roth, mit dickem gelblichen Hals und sehr grossen Ohren, die denen eines Esels an Grösse gleich sind. Ferner die grosse Qualqual-Antilope mit langen geraden Hörnern.

Die Atwot sind ein kleiner Stamm, der sich von dem ’) Gog heisst in der Denqa-Sprache Wald.

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