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8 Erster Theil. Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil.
Herrn Vayssière’s, zu dem ich mich hinüber begab, um mich mit ihm wieder stromabwärts zu den Nuör zu fah ren. Wir übernachteten in Gaba Sambil und fuhren am 18. Febr, bis zur schon erwähnten und vorzugsweise sogenannten Maya an der Mündung des Nyebör. Vom 19. Febr, bis zum 3. März fuhren wir bis beinahe zur Gazäl-Mündung hinunter, kehrten aber von da auf einem begegnenden Schiffe Snuda’s stromauf zurück, da Herr Vayssière vom Fieber geplagt war. Seine Barke ging in zwischen zum Zeräf, um Elfenbein und Getreide zu er handeln, und seine Jäger liess er zu Lande auf dem Ost-Ufer nach seiner Station hinaufgehen. Am 3. März früh waren wir in Gaba Sambil zurück.
4. März. Das Land auf beiden Seiten ist fortwährend eine flache, kahle mit Qess bedeckte Ebene. In der Ferne bemerkt man am Horizont ein Ende der Gaba, während in nächster Nähe Streifen von jAnbäg, Papyrus und einer ver ästelten Graminee, die einen Hör oder einen Sumpf an deuten, eine Bodensenkung erfüllen. Um Mittag kamen wir an der Mündung eines starken Flussarmes von Osten her vorbei, den der Strom in der Gegend der Bor aussendet. Am Ufer sind einige Viehpferche und Dörfer der Seyyädin (d. i. Fischer). Riesige Flusspferde und Kroko dile sind in unglaublicher Menge vorhanden. Erstere scheinen sich in eine schwarze und eine röthliche Varietät zu theilen. Die Krokodile sind nicht mehr wie die des Nil, sondern von einer sehr blass grünlich-gelben Farbe und auf Rücken, Bauch und Flanken mit grossen schwarzen Flecken besäet. In den Abbrüchen des Schwemmbodens, der die Ufer bildet, sieht man beträchtliche Mengen von Eisenoxyd. Gegen Abend erreichen wir das grosse Dorf Bian am Ost-Ufer mit ungeheueren Heerden von Ochsen, Schafen und Ziegen, die, soweit man sehen kann, das Ufer bedecken. Vor dem Dorfe rasenbedeckte Etherien-Bänke, auf denen sich die Marabuta versammeln. Gegenüber am West-Ufer eine Maya.
5. März. Um Mittag wurde im Osten ein Hör passirt, der sich mit dem gestern erwähnten Arme verbindet; ebenso geht am Westufer ein Arm aus dem Flusse ab. Abends passiren wir die Mesra» des Ibrahim Bas bei Melwel, gewöhnlich Abu Kuka (richtiger Abu Kauka) genannt.
6. März. Ankunft bei der Mesra> Sidum’s, des Sohnes Snuda’s. Der Strom wird seit einiger Zeit reissend. Um 5 Uhr Abends kommen wir bei der Mission Heiligkreuz, bei den Eingeborenen Panom genannt, an, gehen aber Nachts weiter.
7. März. Vormittags erreichen wir Agorbar, die Station Herrn Alexander Vayssière’s, wo ich bis zum 20. Mai ver weilte.
Agorbar, von den Arabern meist Mesra>-skander genannt, liegt im Gebiete der Tuiö, die südlich auf die Kić folgen, am Ost-Ufer des Kir. Die Station des höchst gebildeten Händlers und Elephantenjägers Vayssière ist sehr angenehm gelegen und eingerichtet. Sie besteht aus einem Dutzend Toqül zwischen 2 schönen Gärten, die einen grossen Reichthum der verschiedensten Gemüse und Früchte liefern. Man hat dort Schweine, Ziegen, Schafe, Truthühner, Hühner und Tauben, so wie Pferde und Esel zum Ausreiten; Alles von Hartüm herbeigeschafft. Es ist das einzige so gut ausgestattete Etablissement am Weissen Strom. Man lebt auf bestem Fusse mit den Negern, von denen es in der Umzäunung immer wimmelt und die sich Alles an eignen, was ihnen gefällt. Hiergegen bringen sie auch alle Tage ihre schönsten Fische, mit Urin unvermischte Milch und alle paar Tage einen schönen Ochsen. Die Jagd liefert Giraffen und verschiedene Antilopen-Arten von sehr wohl schmeckendem Fleische, so dass wir unter diesen Umständen ein wahres Sybaritenleben führen, denn auch die Euro päischen Genüsse vom Wein bis zu den Sardinen und den Kapern fehlen uns nicht. Wir sind Nachbarn der Missio näre, die bei den Kic leben; einige Stunden Fahrt auf den schnellen Kähnen der Eingeborenen bringen uns dahin. Wir haben sogar die Wahl zwischen 2 Wegen, dem Fluss selbst und einer Maya, d. h. einem sumpfigen Kanal, der gegen über Agorbar vom westlichen Flussufer abgeht und etwas nördlich von der Mission wieder einmündet. Die Missio näre leben in Frieden mit den Eingeborenen ; überhaupt ist von dort bis zu uns das Land sehr sicher. Einige Stunden weiter nördlich und südlich herrschen aber augen blicklich sehr unsichere Zustände in Folge der üuthaten Arabischer und Europäischer Händler, die die Neger zu blutigen Repressalien veranlassen. Auch wir suchen uns gegen alle Eventualitäten zu sichern, obwohl wir mit den Häuptlingen derselben uns benachbarten Bör, die kürzlich die 6 Stunden südlich von hier gelegene Station des Türken Seljo zerstört und ihn mit seinen Leuten umgebracht haben, bis jetzt noch freundschaftlich verkehren.
Vorläufig sind wir noch hier an die Scholle gefesselt, weil man noch nicht in’s Innere aufbrechen kann, ohne Wassermangel befürchten zu müssen. Sobald die ersten Regen fallen, begeben wir uns nach dem eine Tagereise östlich gelegenen Wald Gongolek zur Jagd auf Elephanten und naturhistorische Gegenstände. Später, wenn durch die dauernden Regen alle Quellen und Teiche des Inlandes ge füllt sind, will ich Hrn. Vayssière’s jährliche grosse Expe dition in’s Innere mitmachen, die diessmal weit gegen Westen hin ausgedehnt werden soll.
Mit dieser, einem Briefe in die Heimath entnommenen Beschreibung von Vayssière’s damaliger Station Agorbar brechen die zusammenhängenden Aufzeichnungen des Rei senden auf längere Zeit ab. Seine Briefe zeigen, dass er volle 1 */ 2 Jahre in dieser Gegend verweilt und nur kleinere Ausflüge in’s Innere und in verschiedene der am Flusse gelegenen Etablissements Europäischer Kaufleute gemacht hat. Nur eine einzige weitere Reise unternahm er in dieser Zeit und zwar im Dezember 1859 nach Gondokoro, wo er sich aber nur kurze Zeit aufhielt. Die vorher ent wickelten Pläne zu einer Expedition in’s Innere gegen Westen sind, wie es scheint, wegen zunehmender Unsicher heit in der Nähe der Station so wie auch wegen auffallender Kargheit des Regens in jenem Sommer unausgeführt ge blieben. De Pruyssenaere brachte den grössten Theil der Regenzeit im sogenannten Gog im Gebiete der Kić zu, dessen Schilderung folgt. Er rühmt in einem Briefe die Salubritat dieser Gegend während der Regenzeit. Am 20. Mai verliess der Reisende Agorbar, um sich nach Abu Kuka (Melwel) zu begeben. Am 27. Mai brach er mit i seiner Gesellschaft nach dem Gog auf, während schon