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Erster Theil. Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil. 7 lebendes Wesen auf den einförmigen Ufern, weder Menschen noch Thiere.

31. Jan. Der Strom, den wir weiter hinauffahren, bietet immer denselben Anblick. Vormittags kommen wir an einer Stelle des West-Ufers vorbei, wo eine in 12 Kähnen zu Jagd und Fischfang ausgezogene zahlreiche Silük-Bande zwei Flusspferde erlegt hatte und deren Fleisch in Streifen ge­ schnitten an der Sonne trocknete. Eine Menge von Geiern und Marabut betrachteten von Weitem diesen einladenden Schmaus. Denselben Tag sahen wir hinter dem breiten Saum von Rohrstengeln, Papyrus-Stauden und >Anbäg die Qaqamüt-Mimose in grosser Zahl. Ihr Holz ist in Hartüm wegen seiner Festigkeit sehr geschätzt und man holt es weit vom Blauen Fluss her. Die vorige Nacht legten wir wegen Windmangel am Binsenufer an und wurden Nachts von Moskito-Schwärmen gepeinigt.

1. Febr. An diesem Tage wurden wir zweimal von Flusspferden angerannt, dass das Schiff in allen Fugen krachte. Obwohl in den Binsen liegend, wurden wir doch heute Nacht nicht von Mücken belästigt.

2. Febr. Der Fluss ist unverändert. Ein ansehnliches Qaqamüt-Gehölz zeigt sich am West-Ufer. Wegen Bruch der Segelstange legen wir an, und ich schiesse den ersten Merops nubicus.

3. Febr. Wir fahren Vormittags weiter, immer in der nämlichen Umgebung. Man sieht viele Nuêr. Der Merops nubicus zeigt sich häufig.

4. Febr. Fortwährend dieselben Landschaftsbilder, von Zeit zu Zeit durch ein Gehölz (Gäba) von Qaqamut unter­ brochen , die in dieser Jahreszeit welk sind.

5. Febr. Die Schifffahrt auf dem Kir ist langweilig und schwierig wegen der ungeheueren Windungen des Fluss­ bettes, die den Weg verdoppeln und häufig, da der Wind im Nordviertel zu bleiben pflegt, zwingen, am Tau zu gehen, was zwischen den Binsen und Rohrdickichten und den Sümpfen eine verzweifelt langsame Beförderungsweise ist. Die Breite des Flusses ist bedeutender als bei seinem Zusammenfluss mit dem Bahr Gazai, man kann sie mit derjenigen der Schelde bei Termonde vergleichen, oft ist sie noch bedeutender. Der Strom ist weit stärker als im Gazai, ohne jedoch die Geschwindigkeit des Blauen Nil zu erreichen. Fische sind so zahlreich vorhanden, dass an manchen Stellen das Wasser zu sieden scheint wie in einem Kochtopfe. Jeder Wurf mit der Harpune ist mehrerer Fische sicher.

6. Febr. Die einzige Abwechselung dieses Tages bildet ein bedeckter Himmel, der erst um 11 / 2 Uhr frei wird. Gegen Abend wieder Wolken.

* 7. Febr. Dieselbe Landschaft, selten eine Dolêb-Palme. Selten sieht man einen Neger, da die Ufer hier unbewohn­ bar sind, und die etwa zu Jagd und Fischfang am Fluss befindlichen sich und ihr Geräth wohlweislich verstecken. Äusserst langsam voran. Etwas nach Sonnenuntergang legen wir bei einem Nuêr-Dorf an.

8. Febr. Wie Tags zuvor. Wir kommen an einigen Dörfern vorbei, wo wir ziemlich viel Durra gegen Kupfer­ ringe und schlechte Bered tini kaufen können.

9. Febr. Der Fluss ist immer noch reich an Win­ dungen und der Wind unregelmässig. Die Dolêb-Palmen ' werden häufiger, je mehr man gegen Süden kommt; die Gift-Euphorbie gewinnt Baumcharakter und entfaltet eine gerundete dichte Krone von intensivem Grün. Die Gänse und Enten sind auf dem Kir äussert selten geworden. Der Marabut ist fast der einzige Vogel, der an Zahl zunimmt; man sieht ihn gesellt mit verschiedenen Reihern, Tantalus, Pelikanen, Regenpfeifern, einigen Ibis. Der graue Kranich und der Kronenkranich sind verschwunden. Ich sah zwei Wachteln. Der Merops nubicus wird sehr zahlreich.

10. Febr. Wie gestern durch schilfgesäumte Win­ dungen, hinter denen • beträchtliche Sümpfe und Teiche liegen, die man schon See’n nennen könnte. Die Araber nennen einen solchen Sumpfteich Maya. Die Windung, in der wir uns befinden, die längere Zeit direkt nördlich führt und zu deren Zurücklegung man mehrere Stunden braucht, heisst Gurzet-el - kilab (die Hundeschlinge) und ist die grösste des Kir.

11. Febr. Bei Südwind sehr langsam vorankommend, sahen wir Abends auf dem Ost-Ufer eine bedeutende Gäba, vom Fluss durch eine mehrere Hundert Schritt breite Gras­ ebene getrennt. Eine Menge von Vögeln, namentlich Marabuts, sassen auf den Bäumen und eine Büffelheerde weidete am Waldrande, der mit riesigen Ameisenbauten (Kantür, Mehrzahl Kenatir) besetzt war.

12. Febr. Morgens sieht man von neuem Büffelheerden au beiden Ufern. Heftiger Südwind erschwert das Fort­ kommen. Ein Nest mit 15 Krokodilseiern wird gefunden.

13. Febr. Beim Vorwärtsziehen des Schiffes tödten die Leute eine Eidechse von 5—6 Fuss Länge, deren Zehen mit mächtigen Krallen bewaffnet waren, die Zunge lang und gespalten, die Zähne im Vorbrechen begriffen. Nach­ mittags ausgedehnter und heftiger Grasbrand am West-Ufer.

14. Febr. Der Wind geht wieder zurück nach Norden, aber eine grosse Krümmung lässt uns wenig Nutzen davon.

15. Febr. Bei anhaltendem Nordwind kommen wir tüchtig voran. Um Mittag passiren wir die Mündung eines von Westen kommenden Flusses, des Nyebor, der aber eben fast keine Wasser führt und von Vegetation angefüllt ist; er soll indessen früher durch Latifs Sandal aufwärts be­ fahren worden sein. — Die Nuêr in dieser Gegend haben Bogen, aber einfach gekrümmte, ohne Eisenverstärkung. Gegen >Asr passiren wir ein verlassenes Fischerdorf, welches von unseren Leuten geplündert wird.

16. Febr. Bei Nordwind und klarem Himmel kommen wir Nachmittags an Hellet Basita vorbei, von wo an sich das West-Ufer stark bewaldet zeigt, gegen Abend nach Gäba Śambil. Gäba Sambil ist eine Zeriba von etwa 15 Toqül, die von Malzac’s Leuten bewohnt sind. Ich sah einen jungen Elephanten, junge Mycterien und Balaeniceps, die mit den Leuten zu Fuss aus dem Innern gekommen waren. Man sagt, dass die Löwen hier sehr häufig seien und Nachts um die Zeriba herumstreichen.

17. Febr. Morgens war ich mit einem Jäger Lafargue’s auf der Jagd. Wir sahen eine Menge frische Exkremente von Elephanten. Ich schoss einen Haubenadler und beim Rückweg in der Ebene auf 3 Schuss mehr als 100 Sper­ linge, wovon auf einen Schuss 51 fielen. Das Nashorn und das Zebra sollen in geringer Entfernung häufig vorkommen. — Nachmittags weiterfahrend begegneten wir bald der Barke

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