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Erster Theil. Reisen und Forschungen im Gebiete des Weissen Nil. 5 mit einem jungen Mädchen pflegt, muss an ihn Strafe zah len. Endlich erhält er noch Geschenke von den Händlern, die freie Erlaubniss für ihre Geschäfte haben wollen. Wenn ein Dorf oder einzelne Individuen den Gehorsam verweigern oder die auferlegten Abgaben nicht zahlen, so werden die Häuser der Delinquenten zerstört und sie selbst als Sklaven des Königs weggeführt. Der König hat 3 Minister um sich, wovon der Eine die, übrigens seltenen, Kriegszüge befehligt, zu denen der König niemals auszieht. Der König ernennt ausserdem in jedem Dorf einen oder zwei höhere Häuptlinge, die unter sich wieder andere von geringerem Rang haben. Im Allgemeinen und namentlich in Qaqa lobt man die Regel mässigkeit und Gerechtigkeit der Verwaltung sehr.
Dänab liegt am Flussufer selbst und ist wie das Silükdorf von Qaqa gebaut, in einer Gegend, die kahl ist bis auf einige Dolêb-Palmen am Flussufer, die ersten, denen wir begegneten, einige San| und zwei oder drei Dom-Pal men, die ersten, die seit Hartüm, also nach einer Unter brechung von mehr als 5 */ 2 Breitengraden, wieder erschei nen. Bei einem Dorf, etwas weiter oberhalb auf dem Ost-Ufer, sahen wir eine schon bedeutendere Gruppe von Dolêb nebst einer Euphorbie von der Art, deren sich manche Stämme zum Vergiften ihrer Pfeile bedienen. Noch etwas weiter erscheinen auf dem West-Ufer die Dolêb als Gehölz mit Sycomoren untermischt, die aber weniger schön sind als die in Ägypten und Nubien. Mit einigen seltenen Aus nahmen erscheint das Binnenland völlig kahl.
Denselben Tag gegen 11 Uhr kamen wir an der Mündung des Sôbât vorbei, der mir von der Grösse der Lys bei Gent erschien. Auf seinem West-Ufer, einige Minuten von der Mündung, liegt eine grosse Umwallung von rohen Ziegeln, welche den Posten deckte, den die Ägyptische Regierung hierher gelegt hatte und der, wie die ganze Mudiria des Weissen Stroms, seit der Reise Sa>id Pasa’s nach Hartüm verlassen wurde.
Bald oberhalb der Sôbât-Mündung erscheinen die Dom-Palmen in grosser Menge am linken Ufer. Ungeheuere Mengen von Kranichen und Pfeifenenten.
19. Jan. Die nämliche Landschaft mit kahlen Ufern dauert fort, bald sind sie ganz niedrig, mit Schilf bedeckt, bald etwas höher mit verschiedenen Pflanzen und einigen Bäumen. Denselben Tag gegen Mittag lassen wir die Mün dung des Bahr Zeräf zur Linken, eines kleinen, sehr engen Flusses, in den nichts desto weniger schon Barken von Elfen beinhändlern eingedrungen sind. Die Ufer werden flacher und kahler als je und zeigen nur Schilfbedeckung. Wir sahen einen Trupp von 12—15 Elephanten, die sich unbe weglich eng aneinander gedrängt hielten, wie eine einzige schwarze Masse. Kleine weisse Reiher sassen friedlich auf ihren Rücken.
Vom Bahr Zeräf an ist das rechte Ufer von Nuêr be wohnt, einer nicht ackerbautreibenden, sondern viehzüch tenden und dabei sehr kriegerischen Nation, die durch ihre weit ausgedehnten Beutezüge Schrecken unter ihren Nach barn verbreitet. Sie machen auch eine grosse Zahl von Sklaven beiderlei Geschlechts, die sie an die Händler oder an andere Negerstämme verkaufen. Die Bongak und die Stämme am Agubba, einem Nebenflüsse des Sôbât, sind die einzigen, die ihnen furchtlos Widerstand leisten.
20. Jan. Die Fahrt geht fortwährend durch schmale Flussarme zwischen flachen Schilfinseln. Von Zeit zu Zeit sieht man das wirkliche Flussufer mit einigen Sant. Die vorige Nacht haben die Moskitos begonnen, sich in grosser Zahl zu zeigen. Die Eingeborenen erwehren sich ihrer durch Anzünden von Strohfeuern, die rings den Horizont er hellen, worauf sie sich in der Asche wälzen, die ihnen das blaugraue Aussehen giebt.
21. Jan. In der Nacht vom 20. auf den 21. fahren wir in den Bahr Gazai ein, welcher denselben Anblick niedriger schilfbedeckter Inseln, hie und da mit jAnbag umsäumt, darbietet. Beide Ufer sind von Nuêr bevölkert. Die Nuêr, welche Elephanten gejagt haben, begeben sich im Februar an den Sôbât, wo sie ihre Zeriben bauen. Wir sahen 3 Nuêr-Barken von derselben Länge, wie die grossen der Silük, aber aus einem einzigen Stamm ausgehöhlt. Die Nuêr sahen theils schwarz aus, theils waren sie mit Asche bedeckt. Ich bemerkte, dass das Schwarz der Haut bei vielen nicht sehr intensiv war. Sie tragen den Kopf theils kurz abgeschoren, theils roth gefärbt wie die Silük. Sie jagen viele Elephanten, deren Zähne sie vorzugsweise gegen Lanzen austauschen, denn auf Glasperlen und Armbänder geben sie nicht viel. Männer von der Statur der Silük sind bei ihnen selten, auch sind sie hässlicher, wiewohl sie immer noch nicht den eigentlichen Negertypus haben. Ihr Land ist kahl, ohne Baum noch Strauch; ihre vereinzelt stehenden Häuser dehnen sich auf grosse Entfernung hin aus. Sie brachten etwas stinkende Butter und Tabak. Des Nachts keine Moskitos. Glühwürmchen schwärmen im Schilf.
22. Jan. Es scheint, dass die Kälte zunimmt, je weiter man den Gazai hinauffährt, wenigstens des Nachts. Morgens verhandeln wir mit dem Gross-Sei) wegen Getreidelieferung. Derselbe war nicht mit Asche bedeckt, trug ein Pantherfeil und eine Mütze mit Kuhschwanzquaste. Seine Frauen waren bei ihm und trugen äusser der landesüblichen Klei dung eine Kuhhaut wie die Silük-Frauen. Sie reiben sich nicht mit Asche ein.
23. Jan. Es ist bemerkenswerth, dass man sagt, am Gazai sei es kälter als selbst in Hartüm. Der untere Theil der Toqül der Nuêr ist ebenfalls von Stroh. Zwischen ihm und der äussern Umzäunung befindet sich eine ganz mit Asche angefüllte Stelle, wo sie schlafen. Den Boden des Innern bedeckt eine Kuhhaut, ganz voll Asche; einige Gefässe hängen an Schlingen an den Wänden. Die Sprache der Nuêr ist von der der Silük verschieden. Viele verstehen aber die letztere. — Um mehr Getreide zu erhalten, fahren wir weiter hinauf zu einem benachbarten Dorf. Es geht immer weiter durch enge Kanäle zwischen niedrigen Inseln und Schilfbänken. Hinter einer solchen Schilfwand legen wir in einer der vielen kleinen Buchten von der Grösse einer Dahabiye an, wo die Neger ihre Kähne festzulegen pflegen. Diessmal lagen wir am trockenen, einigermaassen erhöhten wirklichen Uferrand. Der Boden ist mit licht stehenden Talha-Mimosen beholzt. Entfernt man sich vom Ufer, so werden die Bäume immer lichter und man tritt in eine Ebene voll trockener Gräser, wo sich die Wohnungen der Nuêr befinden, die ebenso wie die schon beschriebenen eingerichtet sind. Die Bewohner sind ' von hier an meist mit Bogen bewaffnet, die oft mit Eisen umwickelt sind, wie