Sudan Archive

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56 Stidlich von den Schuli wohnen die Lango, auch Amiru genannt; ganz im Gegensatz zu ihren Nachbarn, sind sie stets rebellisch gewesen und haben nie unterworfen werden kónnen. Von Zeit zu Zeit wurden Truppen gegen die Lango gesandt, ohne anderes Resultat aber, ais ihnen eine Anzahl Esel von den Weideplatzen abzujagen. Der Lango ist im hohen Grade kriegerisch; sein seltsamer Kopfschmuck verleiht ihm einen schreckenerregenden Anblick. Seine von Natur langen und dichten Haare werden zu einer fdrmłichen Decke zusammengeflochten und iiber den Nacken zuriickgeworfen, mit der er sich das Gesicht verhiillt, wenn er sich in den Kampf stiirzt. Trotz der zahlreichen Angriffe, die die agyptischen Truppen gegen die Lango unter-' nahmen, hat man niemals einen dieser schrecklichen Krieger gefangen nehmen kónnen; und obwohl unsere Provinz Neger aus allen móglichen Stammen besass, hat man unter unseren Soldaten oder unseren Sklaven nie einen Lango sehen kónnen.l) Ais Bekleidung tragt der Lango das Feli eines Schafes oder eines wilden Tieres; in seinen Sitten unterscheidet er sich in nichts von den Nachbarvólkern und auch seine Beschaftigungen sind dieselben: Ackerbau und Jagd. Der Viehstand der Lango besteht aus unzahligen Heerden Esel, von grauer Farbę mit einem schwarzen Streifen den Rticken entlang; diese Tiere ersetzen die Rinderrasse, die im Langolande fast unbekannt ist. Der Esel ist aber bei ihnen nicht unser geduldiges und verachtetes Lasttier, sondern liefert ihnen die Nahrung, Milch und Fleisch. Die Tiere kónnen auch nicht geritten werden, da sie dazu nicht abgerichtet sind; und wenn unsere Truppen eine Razzia auf Esel gegen die Lango unternahmen, konnten nur die jungen Tiere nutzbar gemacht werden; abgerichtet leisteten sie dann gute Dienste. Einen Esel, der bei den Lango gross geworden war, reiten zu wollen, war verlorene Mtihe; weder Sporen noch die starksten Stockpriigel vermochten ihn von der Stelle zu bringen. Man konnte ihn eher totschlagen, ais dass er einen Schritt machen wiirde, befand sich ’) Bild eines Lango bei Junker, Reisen III, 509.

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