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Fur den, der die Vorstadt Alt-Cairo gesehen hat, wird es leicht sein, sich eine Vorstellung von Chartum zu machen, das in seinem Gesammtaussehen dem ehemaligen Fostat sehr ahnlich war.
Am nachsten Tage stellte ich mich Dr. Zerbuhl, dem Direktor des Sanitatsdienstes, vor, der mich leutselig empfing und mir den Vorschlag machte, zwischen den beiden damals unbesetzten Apothekerposten zu wahlen, dem in Kolkol (Darfiir) und dem von Lado (Aequatorialprovinz). Er sagte mir: Meinerseits rathe ich Ihnen eher zu dem Posten in der Aequatorialprovinz. Sie werden dort mit dem Mudir Emin Bey zusammen sein, einem einsichtigen und verstandigen Europaer, wahrend Sie in Kolkol unter den Befehlen des Mudlrs von Darfur, Nur Angara, eines Halbwilden ohne Bildung und Erziehung, stehen wiirden und somit der Gefahr einer unwiirdigen Behandlung stets ausgesetzt waren.
Diesem Rath folgend, wahlte ich den Posten in der Aequatorial- provinz. Ich war in dieser Wahl gut inspiriert. Ware ich nach Darfur gegangen, so ist es mir sehr wahrscheinlich, dass ich in dieser Stunde nicht mehr am Leben sein wtirde. Denn der Mudir Nur Angara wurde wenige Zeit darauf die rechte Hand des Mahdi, und ais Europaer wtirde ich wahrscheinlich eines seiner ersten Opfer geworden sein.
Nachdem ich fast 2 1/a Monat in Chartum gewartet hatte, kam endlich der Dampfer Embabeh von Badein an, wohin er den Kapitan Casati gefuhrt hatte, und ich schiffte mich auf ihm nach meinem Bestimmungsort ein.
Laut in Chartum eingetroffenen Nachrichten war der Strom durch Grasbarren gesperrt. Marno Bey ’) erhielt den Auftrag, diese Sperren zu beseitigen und schiffte sich zu diesem Behuf mit uns ein. Unser Dampfer schleppte drei Barken und eine Mahune mit ungefahr
500 Passagieren, darunter 200 Chutarije und 200 Straflinge, sowie einer grossen Menge Waaren und Munition fur die Regierung in Ladó. Ais wir nach 18 Tagen in Faschoda ankamen, liess Marno
*) Vgl. dessen Bericht in Peterniann’s Mitteilungen 1881; S. 411—426, ferner Junker, Reisen II, S. 54 ff.