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— 215 — In Chartum selbst verschlimmerte sich die Lagę von Tag zu Tage. Die Bevólkerung bestand aus den heterogensten Elementen; europaischen und einheimischen Kaufleuten, agyptischen und einheimischen Beamten und besonders zahlreichen Arabem aller Stamme, an dereń Treue und Loyalitat man mit Recht zweifeln durfte.
Wirklich wurde auch der Feind durch seine Verbindungen iiber alle Vorgange in der Stadt auf dem Laufenden erhalten. Die eingeborene Bevólkerung sympathisierte mit den Mahdisten ganz offen. Zwar wurde die Stadt durcli Hinrichtungen von Verratern, die sich hatten erwischen lassen, haufig genug erschreckt, aber nur die Furcht hielt die anderen ab, ihre Absichten offen zu zeigen. Chartum musste demnach den inneren Feind ebenso sehr, wenn nicht noch mehr, ais den ausseren Feind iiberwachen. Rings von den zahlreichen Mahdistenhorden eingeschlossen, hatte die Stadt keine andere Verbindungslinie mehr, ais den Nil. Allerdings unternahmen die Dampfer haufig Fahrten, bisweilen bis Berber, jedoch ohne besonderen Nutzen und stets mit grosser Gefahr, weil die Stromufer hier und da mit Rebellenhaufen besetzt waren, und die ganze Bevólkerung sich feindlich zeigte. Nur unter grossen Schwierigkeiten und Gefahren konnten die Dampfer bisweilen einige Lebensmittel herbeischaffen; aber schon gegen Ende 1884 lebten Chartum wie el Obeid, Dara, Fascher, Ssinkat, Tokar, Amadi u. s. w. langere Zeit nur von Gummi, gekochten Felien und sonstigen unnennbaren Dingen.
Um dieselbe Zeit erschien der Mahdi mit dem Gros seines Heeres vor Um Durman, gegentiber von Chartum. Eine Rebellen-Abteilung hatte die kleine Festung schon seit langerer Zeit belagert, war aber jedesmal, so oft sie sich in den Schussbereich vorwagte, mit grósseren Yerlusten zuriickgetrieben worden. Hicks Pascha hatte vor seinem Aufbruch nach Kordofan Um Durman befestigen lassen und es zu einem nicht unbedeutenden Waffenplatz erhoben. Der Mahdi begriff, dass ein gewaltsamer Angriff