Facsimile · p. 216
— 196 — Abd el Kader Pascha kam endlich am 11. Mai an. Er ermahnte die Beamten, sich ruhig und gefasst zu halten, um der Bevólkerung Vertrauen einzuflóssen. »Wenn die Beamten der Regierung eine derartige Furcht verraten, was soli dann aus den anderen werden, welche glauben, dass die Dinge noch vieł schlimmer ais in Wirklichkeit sind.« Abd el Kader fand die Situation schlimm genug. Er schrieb nach Kairo und verlangte Verstarkungen, aber die Rebellion Arabi’s hatte das Land in Anarchie gesturzt, und Abd el Kader’s Hiilfsrufe verhallten ungehort. Hatte er die verlangten Verstarkungen erhalten kónnen, so ist es nicht unmóglich, dass er des Aufstandes hatte Herr werden kónnen. In Ermangelung solcher Verstarkungen ging Abd el Kader Pascha mit uńerhórter Energie an die Organisierung einer bedeutenden Armee, die zum gróssten Teil aus den Negern der Eińwohner fur 12 bis 14 Thaler pro Kopf rekrutiert wurde. Er erteilte der Polizei strenge Befehle und suchte der Panik zu steuern. Er verbot absolut, vom Mahdi auch nur zu sprechen und scharfte den Beamten ein, keine Nachricht zu verbreiten, welche die Panik unterhalten oder vergróssern konnte. Sobald er erfulir, dass ein Hauptling zum Mahdi zu stossen beabsichtige, liess er ihn mit List oder Gewalt kommen und ihn dahin bringen, dass er den Feind nicht unterstiitzen konnte. Den Beduineh gegeniiber hatte er eine macchiavellistische Politik angenommen. Diejenigen, dereń Betragen sie nicht ais offene Anhanger des Feindes zeigte, vereinigte er zu einer Notabeln-Ver-śammlung, um sie in den Glauben zu versetzen, ihnen die Angelegenheiten des Landes zur Beratung vorlegen zu wollen. Er fragte sie mit Interesse nach ihren Privat-Angelegenheiten, lud sie in śeinen Palast ein und gewann durch diese Politik und ohne Zwangsmittel von ihnen Geld, Naturalien und das Versprechen, der Regierung treu zu bleiben. Der andereri Hauptlinge, die notorisch feindlich wareń, entledigte er sich auf eine oder die andere Weise; im Falle, wo dies nicht aiiging, erregte er Spaltungen unter ihnen, um so eine Diversion zu gewinnen. Das Divide et impera war fur diese schwierige Periode Abd el Kader’s politiśches Programm.