Sudan Archive

Open the original scan

179 Dorfes fiir seine Arbeiten; und um nicht die ganze ilim abverlangte Ziffer liefern zu brauchen, musste er zu jenem Argument greifen, dem allein gegeniiber die Vertreter der Regierung nicht widerstehen konnten. Gerade mit Riicksiclit auf diesen Umstand verlangten die Letzteren bisweilen mehr Leute ais notig war, um sich das Plus von dem Hauptling abkaufen zu lassen. Dieses erinnert an gewisse Lander, wo der Loskauf von der Konskription existiert, wo man diese Gelegenheit und die Feigheit der Eingeborenen ausnutzt, um jahrlich eine Rekrutenmenge zu verlangen, welche die Ziffer des ganzen Heeres um das Doppelte iibersteigt, ohne dieselben natiirlich gebrauchen zu kónnen und nur fiir den Zweck, den Loskauf derselben zu einer Einnahmequelle zu gestalten.

Ferner: Die von dem Herrscher in lobenswerter und aufrichtiger Absicht erlassenen Edikte iiber die Abschaffung des Sklavenhandels hatten wegen der Kauflichkeit der mit ihrer Ausfiihrung beauftragten Beamten nur das eine Resultat, die Regierungsvertreter im Ssudan zu bereichern. Wenn der Sklavenhandler das traditionelle, unwidersteliliche Argument gutwillig anwandte, blieben jene Verordnungen in dem Staube der Aktenschranke begraben und die Augen des Gesetzes geschlossen. Wenn aber der Sklavenhandler sich taub stellte und das Gesicht abwandte, um das Augenzwinkern der Antisklaverei-Agenten nicht zu bemerken, dann óffnete die Wachsamkeit der Agenten plótzlich ilire hundert Argusaugen; man verhaftete jene Barbaren, die mit Menschenfleisch handelten und holte aus dem Aktenstaube der Regierungsbureaux alle Edikte von dem ersten an, die von Mo­ hammed Ali Pascha bis Gordon erlassen waren, hervor, und man schritt natiirlich zur Verfolgung der Handler und Konfiskation der Sklaven, welche die Beamten unter einander verteilten und dann verkauften. Wir iibertreiben nichts, sondern erzahlen die blosse Wahrheit; und alle, welche wie wir mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren gehórt haben, was im Ssudan vorging, erstaunen mit uns, dass die Massenerhebung des Ssudan so lange Zeit zu ihrer Entwickelung und ihrem Ausbruch gebraucht hat.

I2 !

Text produced by OCR — report an error