Facsimile · p. 189
169 — Wenn wir alle Excentrizitaten, die man sich von Gordon mit Recht oder Unrecht erzahlt, hier wiedergeben wollten, wiirde kaum ein ganzer Band ausreichen. Kaum hatte Gordon von seinem Posten Besitz ergriffen, so war seine erste Handlung, die alten Beamten zu entlassen und sich mit Personen zu umgeben, welche vom Geschaftsgang keine Ahnung hatten. Diese Leute, welche alle der einheimischen Rasse angehórten, wurden damit zu Stellungen erhoben, auf welche sie nicht im Entferntesten Anspruch hatten. Spater beim Beginn der Mahdistenbewegung waren diese Beamten die ersten, welche die Geheimnisse und Interessen der Regierung verrieten.
Die Verwaltung des Landes wurde auf ganz neuer Basis eingerichtet und namentlich das Finanzdepartement von der agyptischen Regierung vollstandig abgetrennt; ein eigenes Finanzministerium wurde von Gordon eingerichtet, welches den Anschein erregte, ais ob alle Beziehungen zwischen Aegypten und dem Ssudan, der Gordon ausschliesslich anvertraut war, abgebrochen seien. Was diesen Glauben noch mehr bestarkte, war die gleichzeitige Entlassung der meisten alten Beamten, wie der tiirkischen oder agyptischen Truppen, und ihre Ersetzung durch Eingeborene. Auf diese Weise gelangte die ganze Verwaltung in die Hande der Ssudanesen. Die meisten militarischen und biirgerlichen Aemter befanden sich in ihren Handen, ganz zu schweigen von den zahllosen Auszeichnungen und Dekorationen, welche Gordon an alle Kaufleute, Fleischer, Jager u. s. w. in verschwenderischer Weise austeilte. Gordon hegte fiir die Bevólkerung des Ssudan eine weit iibertriebene Achtung und Toleranz bis zu dem Grade, dass der Eingeborene sieli schliesslich fiir eine hóhere Nation ais die seiner bisherigen Herren halten durfte und allmahlich anfing, eine gewisse Unverschamtheit und Verachtung gegeniiber der Regierung anzunehmen.
Von den teils niitzlichen teils unklugen Reformen Gordon’s haben wir die Errichtung einer besonderen Finanzverwaltung fiir den Ssudan angefiihrt, welche trotz ihrer spateren Beseitigung