Sudan Archive

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127 Der Brautigam steigt zu Pferde in Begleitung seines Wislr1). Er halt in der Hand eine Nilpferdpeitsche (Ssoth) und ist mit Glasperlen der verschiedensten Art und kleinen Muscheln geschmiickt; ferner tragt er Armbander, die nacli seinen Mitteln von Eisen, Silber oder Gold sind, ausserdem ein Perlenarmband mit einem grossen buntfarbigen Seidenband, welches ihm vom Handgelenk herabhangt und Ghartak heisst. Alle seine Freunde und Verwandten folgen ihm in langem Zuge. Immer von einem Wisir begleitet, sprengt er rechts und links, vorwarts und riickwarts, wobei er seine Peitsche knallen lasst und das Band, das ihm von der Hand herabhangt, schiittelt, und der Zug bewegt sich unter den Tónen der Dalluka. Die jungen Leute zu Fuss oder zu Pferde und bis zum Giirtel entblósst, laufen und springen um die Madchen herum und schlagen einander mit der Nilpferd­ peitsche derart, dass man das Blut von ihren Schultern herabfliessen sieht. So bewegt sich der Zug durch das ganze Dorf unter den monotonen und betaubenden Klangen der Dalluka und dem unheimlichen Knallen der Peitschen, welche auf den Schultern der jungen Leute bleibende Spuren zuriicklassen. Wenn das Dorf sich in der Nahe des Nils befindet, so geht der Zug bis an seine Ufer, bevor er umkehrt; bei den Ssudanesen steht der Strom in ebenso lioliem Ansehen, wie bei den alten Aegyptern. Hierauf kehrt der Zug in das Haus der Braut zuriick, wo das Hochzeitsmahl aufgetragen wird, bei welchem der Merissa - Genuss eine grosse Rolle spielt. Das Mahl verlangert sich bisweilen bis drei Uhr* 2), wo dann die Eingeladenen sich verabschieden. Die Eltern der Braut wahlen dann 3 oder 4 Madchen von derselben Gestalt wie die Braut aus, lassen sie gleiche Kleider anziehen wie diese und sie mit ilir zusammen in der Ecke eines grossen Zimmers Platz nehmen, welch letzteres nur sparlich erleuchtet wird. In Das Wort, das eigentlich Minister bedeutet, entspricht hier dem Brautigamfiihrer bei uns.

2) d. h. nach Sonnenuntergang, etwa 9 Uhr abends. B. M.

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