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KAPITEL X.
Die Zeit der ersten Erfolge von 1850 bis 1887.
Der Aufbau der italienischen Kolonie Erythräa in ihren Erfolgen und Verlusten während der dreißig Jahre ihres Bestehens hat in der deutschen Literatur eine zusammenhängende Darstellung noch nicht gefunden. Selbst so tüchtige neuere Werke, wie von Friedrich Hahn „Afrika“ in der „Allgemeinen Länderkunde“ von Sievers (Leipzig 1901) und von Moritz Schanz „Ost- und Südafrika“ (Berlin 1902), geben diesem Gegenstände eine nur stiefmütterliche Behandlung, so daß es nicht überflüssig erscheinen mag, jene interessanten Ereignisse, gestützt auf sichere Quellen und an Ort und Stelle eingezogene Nachrichten, hier nach ihrem inneren Zusammenhänge vorzuführen.
Die Bestrebungen Italiens, am Roten Meere festen Fuß zu fassen, gehen zurück auf die Zeiten Cavours, auf das Jahr 1850. Die entschlossene Inangriffnahme des Kanals von Suez durch Lesseps lenkte die Augen jenes Staatsmannes auf das für Handel und Politik gleich wichtige Abessynien, ein Land, seinem Flächeninhalte nach, größer als Frankreich. Und es war besonders die Bai von Arkico mit ihrem fruchtbaren alpinen Hinterlande, welche der sehr rührige Agent Rizzo seinem Gouvernement damals empfahl. Der Entschluß reifte zur Tat, als im Jahre 1869 England in Abessynien einfiel, um Theodorus zu züchtigen.
Der italienische Forschungsreisende Professor Joseph Sapeto wurde von der italienischen Regierung ermächtigt, im November 1869 mit dem von der Pforte, wie von Ägypten, angeblich unabhängigen Sultan „Rehanbey“ in Unterhandlung zu treten zwecks Erwerbung der Bai von Assab und der davor lagernden Insel Daimabah, etwa unter dem 13. Grad nördlicher Breite, also 300 Kilometer südlich von dem heutigen Haupthafen Erythräas, Massäua.