Sudan Archive

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trunk zu nehmen. Dann teilt mir der Kommissär, Herr Bartoli, mit, daß in Ermangelung eines Hotels am Orte, Seine Exzellenz durch Telegramm bestimmt habe, sein eigenes Absteigequartier auf der Zitadelle für mich bereit zu stellen, drei wohleingerichtete Zimmer, und außerdem ein Gelaß für meine Leute und mein Gepäck!

Dieser Mitteilung fügte der Kommandant die Einladung hinzu, im Kasino der Offiziere um 7 Uhr das Diner einzunehmen.

Ich hätte mich gern zurückgezogen, Schweiß und Staub im Bade abgeschüttelt und den Anzug gewechselt; allein man ließ mich nicht fort. Um 7 Uhr begaben wir uns zur Tafel, an der etwa zwölf Offiziere, darunter auch Martinelli und Tornari, sich niederließen. Ich teilte den Herren mit, daß heute der Geburtstag des deutschen Kaisers sei. Sie stimmten freudig zu, und mit italienischem Weine, unter lebhaften Evvivarufen, tranken wir hier in dem fernen Erythräa auf das Wohl dieses von uns so geliebten und vom Auslande so bewunderten, Fürsten!

Cheren, von den Eingeborenen auch „Sanhit“ genannt, ist der Hauptort des ca. 16 000 Einwohner zählenden Ländchens der Bogos. Dieser Stamm, zur Familie der Araber gehörig, ist ein sehr kräftiger Menschenschlag. Dem Handel ergeben, beherrschten die Bogos von alter Zeit her die Karawanenstraße vom Nil über Kassala bis zum Roten Meere. Die Stadt selbst enthält zur Zeit 2415 Einwohner, darunter nur 96 der weißen Rasse, nämlich 61 Italiener, 28 Griechen, 7 Schweden. Dann einige Asiaten, wie 20 Inder und 2 Syrer. Die Garnison zählt ein Bataillon (zu 500 Mann) eingeborener Soldaten, 50 Kanonen und 50 Chasseurs.

Diese letzteren, wie auch die Offiziere, sind Italiener.

Die Lage der Stadt ist malerisch in Mitten einer fast kreisrunden Hochebene, welche flachabfallende, nicht zu hohe, Felsenkegel umziehen. Man könnte den Ort mit Salzburg vergleichen. Denn, wie dort, lehnt sich hier an einen zinnengekrönten Berg die Stadt. Die Zitadelle, ein starkes Werk, ist noch ägyptischen Ursprungs. Die Stadt aber erbauten die Italiener. Um einen viereckigen Marktplatz reihen sich einstöckige Häuser, darunter die Post, das Kommissariat, Läden und Schenken. Dann noch einige parallel laufende Straßen. Seitlich auf einem Hügel die neuerbaute Moschee neben einer griechischen Kapelle und nicht fern davon das Kasino der Offiziere.

Als Vorstädte lehnen sich an zahlreiche Gruppen von Tukül der Eingeborenen, in reinliche Gassen abgeteilt.

Diese durchwandernd, fielen mir ausgesteckte Fähnchen in weiß und rot auf. Mein Führer, ein Bogos, bedeutete mich, das hieße so viel, wie „In diesem Tükl schenkt man frischen Honigwein aus!“ Er ist das Nationalgetränk der Bogos, benannt von ihnen „tedsch“ oder auch „mess“. — Honigwaben und Wasser zusammengetan mit einem Zusatz der getrockneten S ch o c nf o ld , Erythräa. 3 33

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