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„Asmara“ ist ein Wort der Amhara-Sprache, welches soviel bedeutet

als „guter Weideplatz“. In der Tat, während des Sommers decken kurze,

aber äußerst saftige Alpengräser diese Hochebene. Das Vieh, welches hier

viel gehalten wird, ist im besten Futterzustande. Zu den Zeiten der abessynischen Herrschaft war Asmara nichts weiter

als ein befestigtes Militärlager. Ras Äloula, der vielgenannte Feldherr des

Negus Johannes, wohnte hier inmitten seiner Soldaten. Diese waren unter-

gebracht in Tukul (der Singular heißt Tukl), jenen charakteristischen kreis-

runden, mit einem kegelförmigen Dache abgedeckten Hütten der Abessynier. Dem General selbst diente ein ganz gleichgeformtes, nur größer angelegtes

Haus, auf einem Hügel gelegen, als Wohnung. Wohlerhalten, wird es

noch heute gezeigt.

Erst die Italiener erhoben Asmara zu einer Stadt, und der gegen-

wärtige Generalgouverneur Martini machte es zu seiner Residenz. Bei

seinem Einzuge 1897 fand er, nach seiner eigenen Mitteilung, kaum ein Dutzend Häuser europäischer Konstruktion hier vor, neben den allerdings

sehr zahlreichen Tukül der Eingeborenen. Heute ist Asmara ein ansehn-

licher Ort von 8-—9000 Einwohnern, die Garnison miteingerechnet

; darunter

1000 Europäer, welche, abgesehen von einigen Griechen und den Mit-

gliedern einer hier arbeitenden schwedischen Mission, ausschließlich

Italiener sind. Zwei Dinge werden das weitere Wachstum Asmaras befördern, die

Wichtigkeit seiner strategischen Lage und die Vorzüglichkeit seines Klimas. Es beherrscht die Straße nach Massäua. Zur Deckung derselben ziehen,

auf Hügeln erbaut, drei Zitadellen sich rings um die Stadt, deren stärkste

das Fort Baidissera ist. Die Garnison besteht aus 1000 eingeborenen und

300 italienischen Soldaten, nebst deren Offizieren. Das Klima ist ein gemäßigtes. Im Maximum werden 25° R. be-

obachtet, im Minimum 8 0 -f- R. Die Luft, an Ozon so reich, wirkt sehr

nervenstärkend. Weder Tuberkulose, noch Diphterie, noch Scharlachfieber

zeigen sich hier. Eine leichte Form des Aussatzes tritt unter den Ein-

geborenen auf, doch wirkt er nicht ansteckend. Wie der Arzt der

schwedischen, hier dreißig Jahre arbeitenden Mission mir sagte, leben Aus-

sätzige und Gesunde in der Ehe zusammen, ohne daß die Krankheit auf

die Nachkommen sich überträgt. Es war also sehr weise von Exzellenz Martini, das so heiße und er-

schlaffende Massäua als Hauptstadt der Kolonie aufzugeben, um dafür Asmara einzutauschen.

Als ich in Asmara einfuhr, sprach ich bei dem stattlichen Hotel

Signorini vergebens vor; alle Zimmer waren besetzt; ich fand jedoch gute

Unterkunft im zweiten Hotel „Italia“. Die Zimmer sind hier einfacher, aber

gut gehalten, und die Verpflegung lobenswert.

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