und Asmara gelegen, nimmt es teil an den Regenmengen, welche sowohl
auf die Küste, wie auch auf das Hochplateau niederfallen. Auf diese Weise
doppelt durchtränkt, ist es voll strotzender Fruchtbarkeit. Um zehn Uhr stehen Wagen und berittene Diener für mich fertig. Der Genuß der Fahrt verdoppelt sich mit der Tageshelle. Man glaubt, in den Hochalpen der Schweiz zu sein. Die Bergkegel, trotzig und stark
zerklüftet den Tälern entsteigend, stehen wie Zuckerhüte aneinander ge-
reiht. Doch alles ist grün. Sykomoren, Feigen, Laurus, Myrte, Akazien
wechseln. Darunter stehen Blütensträucher, wie Abutylon, Hyhiskus, Ribes — Kakteen, untermischt mit bunthlühenden Gladiolen, säumen den Weg
ein
; und hängende Orchideen winden sich von Ast zu Ast. Um zwei Uhr haben wir Nefasit erreicht. Hier werden wiederum
die Maultiere gewechselt. Währenddessen verzehren wir ein mitgenommenes
kaltes Frühstück. Nun steigt der Weg in den kühnsten Windungen auf zu dem Hochplateau von Asmara. Die Serpentinen, lang ausgezogen, liegen so
dicht aneinander, wie die Federn einer Spirale. Hier tritt in der Pflanzen-
welt nun ein Baum hervor, welcher für Abessynien so charakteristisch ist,
die Euphorbia candelabrum, welche bis 60 Fuß Höjie erreicht. Es ist das
Vorbild für den siebenarmigen Leuchter der Stiftshütte, und die Stellung
der matt graugrün gefärbten Aste, fleischig wie Kakteen, erinnern lebhaft
an jenes Gerät.
Eine Herde von etwa 30 Stück großer Affen läuft dicht vor uns quer
über den Weg, indem einer dem anderen durch Handreichung zur Flucht
verhilft, und sie sich gegenseitig, warnend und ermunternd, mit scharfem
Aufschrei zurufen. Meine Leute haben schon die Flinten angelegt, doch
ich verbiete ihnen, auf diese Tiere zu schießen. Wir fahren durch Wolken hindurch, die an den Bergwänden hängen. Die Sonne verschleiert sich und es fällt ein Sprühregen auf unsere Schultern. Dann kommen wir wieder in den warmen Strahl, und weit, weit ausgebreitet
liegen die grünen Täler zu unseren Füßen. Wir sind bald 7000 Fuß über döm Meere
Eine unvergleichliche Stille herrscht ringsumher in der Natur. Kaum
20 Menschen sind uns den Tag über begegnet. Nun sinkt bereits die Sonne, und es wird kalt. Rechts vom Wege
rastet eine Karawane. Es sind Leute von dem Stamme der Beni-Amr. Auf ihren Kamelen haben sie Kaufmannsgüter aus Massäua heraufgebracht. Um ein Feuer gelagert, wollen sie die Nacht hier zubringen. Nichts
anderes deckt ihre braunen Leiber als ein leinenes Hemde. Welch eine
Abhärtung! Ich wechsele einige Worte mit ihnen und schenke ihnen
kleine Münzen.
Wir haben das Hochplateau erreicht. In einer Entfernung von zwei
Kilometern zeigen sich nun die Lichter von Asmara. Wir sind am Ziele
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