er, mit dem ich bald das Kaffeehaus eines Arabers besuchte, bald den Laden eines Indiers, bald das Militär-Lazarett der Italiener, bald die runde,
aus Stroh geflochtene Hütte einer abessynischen Hetäre, wo das junge Weib bereits im vollen Schmuck auf einem Teppiche in der Mitte des
kleinen Raumes saß, um ihre Gäste zu erwarten. Durch die Beziehungen zur europäischen Gesellschaft wurde ich hier wenig in Anspruch genommen.
Der fühlbare Rückgang in dem gesellschaftlichen Leben Massäuas hat
einen doppelten Grund. Zunächst ist es die Verlegung des Sitzes der
Regierung nach Asmara und sodann die Abminderung des Handels. Zur
ägyptischen Zeit war Massäua der Exportplatz für die reichen Produkte
Abessyniens und des Sudan. Und unmittelbar nach der italienischen Besitz-
ergreifung (am 6. Februar 1885) entwickelte sich eine sehr lebhafte Bau-
tätigkeit hier am Orte, veranlaßt durch die Bedürfnisse der einzurichtenden jungen Kolonie. Dies gab dem Import damals einen lebhaften Aufschwung.
Beides hat sich sehr abgeschwächt. Die Kolonie ist gegründet und strebt
zur Zeit, mit einem beschränkten Budget auszukommen. Und der Export
aus dem Sudan, sowie auch aus Abessynien hat stark abgenommen. Dieses
letztere erklärt sich aus zwei Ursachen. Im Süden ist es der Schienenweg Djibuti—Harar
1 ), von den Franzosen
erbaut, und im Norden die Handelstraße Kassala— Sauäkin, von den Eng-
ländern eifrig begünstigt, welche jetzt die Produkte jener reichen Binnen-
länder auf den genannten Linien dem Roten Meere zuführen. Die zweite
Ursache liegt in einem Mißgriffe der italienischen Regierung. Sie hat, um
ihre Lire hier am Platze einzuführen, den Maria Theresia-Taler von ihren
Kassen, auch von der des Zollhauses, als Zahlungsmittel ausgeschlossen.
Dieses hat bewirkt, daß jene im Sudan allgemein zirkulierende Münze hier
in Massäua sich stark entwertete, selbst bis auf 2,20 Franks
• eine Ent-
wertung, von welcher namentlich die aus dem Binnenlande kommenden
arabischen Händler sehr fühlbar getroffen werden.
So ist der Exporthandel hier stark gesunken. Und der Importhandel
arbeitet doch nur für die Ausstattung des Militärs und die nicht sehr
umfangreiche europäische Kolonie. Die Eingeborenen in ihrer Bedürfnis-
losigkeit nehmen daran einen geringen Anteil. Der Hafen ist somit von
Schiffen, selbst von den kleineren arabischen Küstenfahrzeugen, fast entleert. Das hier am Platze in früherer Zeit bedeutende deutsche Handels-
haus Bienenfeld u. Komp, ist eingegangen, oder vielmehr es hat sich ein-
geschmolzen in die mit dem Kapital von 1 Million Franks gegründete
0 Die derzeitige Endstation der Bahn heißt Dire-Danah. Denn, nach langem Zögern,
hat man sich entschlossen, das 1700 Meter hochgelegene Harar aufzugeben; der hohen Bau-
kosten wegen. Eine 45 Kilometer lange Verbindungsstraße führt jetzt von Dire-Dauali nach
Harar hinauf.
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