Sudan Archive

die vom Ufer abstoßen und das einzige Zirkulationsmittel bilden, geben

hin und her.

Farbige Leute in großer Anzahl schreiten vorüber. Denn unter den

15 000 Einwohnern der Stadt befinden sich nur etwa 250 Europäer, und

diese zu 2 /3 Italiener, zu y3 Griechen. So geben denn fast ausschließlich

die Farbigen dem Straßenverkehre seinen Charakter. Und es sind unter

diesen Leuten ganz prächtige Gestalten. Denn da hier, in Massäua, sich

Afrika mit dem benachbarten Asien die Hände reichen, so sieht man hier

Leute aus Indien und aus Yemen, aus Abessynien und dem Somalilande,

Danakil, Gallas und Sudaner. Alle Schattierungen der Hautfarbe, vom

Gelb der Malayen bis zum Ebenholzschwarz der Anwohner des Tsade-Sees,

sind hier vertreten. Die Köpfe halten sie meist unbedeckt, ebenso auch

Schultern und Brust

; nur ein kurzer Schurz umgürtet ihre Lenden. Schenkel und Füße zeigen sich gleichfalls unbekleidet. Wenn diese Leute vorüber-

schreiten, so hat man den Genuß, unter der scharfen Beleuchtung der

Tropensonne, das schöne Spiel ihrer Muskeln zu beobachten. Es ist zu verwundern, daß jede Badeeinrichtung hier in der Stadt

fehlt. Weder ein arabisches Bad ist vorhanden, noch eine Vorrichtung zum Genuß der Seebäder. Ich nahm daher bei meinen täglichen Aus-

fahrten, um 6 Uhr morgens, von meiner Barke aus ein Schwimmbad im

Meere.

Meine beiden Diener Hassan und Mursi waren mit mir in demselben

Hotel Eritreo untergebracht, doch sie verpflegten sich in der Stadt, in

einer arabischen Garküche. Sie hatten während der 4 Tage meines dortigen

Aufenthaltes eine bequeme Zeit. Vorbereitungen für meine Weiterreise waren hier nicht zu treffen, da die italienische Regierung versprochen hatte,

für alles Erforderliche selbst sorgen zu wollen. So begleiteten sie mich

nur auf meinen Spazierfahrten in den frühesten, wegen ihrer verhältnis- mäßigen Kühle empfehlenswerten, Morgenstunden in einer Barke. Wir

sahen regelmäßig die Sonne aus dem Meere aufsteigen, nahmen ein Schwimmbad, landeten und machten einen kurzen Streifzug bald hier, bald

dorthin in das Innere, um zu jagen, wobei Hassan als ein guter Schütze

sich bewährte. Dann kehrte ich in das Hotel zurück, um mit Herrn Schimper zu arbeiten. Teils hielt er mir Vortrag über die Verhältnisse im

Lande, teils diktierte ich ihm einige Niederschriften, sich beziehend auf

die Entwickelungsgeschichte der Kolonie Erythräa, nach in Kairo gemachten

Studien, welche er aber gut zu erläutern und zu ergänzen verstand.

Endlich lud der Abend wiederum, wenn die heißen Sonnenstrahlen

schräger fielen, zu einem Spaziergange ein, und ich durchstreifte, gefolgt von einem meiner Diener, die Gassen auf den Inseln Massäua und Taolud, um das Volksleben an seinen Brennpunkten zu studieren. Auch hier gab Herr Schimper mir alle die gewünschten Erläuterungen

S choen fei d, Erythräa. 2

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