Facsimile · p. 286
Zersetzende aufnahm, in demselben Grade auch die alten, einfachen, praktischen Grundsätze der väterlich ererbten Religion zu zerstören begann, ohne dafür einen sittlichen Ersatz zu bieten. Denn der innere, ernste Geist unserer europäisch-christlichen Kultur, der den Völkern des Westens ihren Aufschwung gab, ist in seiner aufbauenden Kraft von diesen Orientalen teils nicht erkannt, teils nicht erfaßt worden.
Und, wenn sie ihn mit gesundem Verständnisse erfaßt hätten, so kommt es doch, in der Folge, sehr an auf die richtige Weise der inneren Verarbeitung.
Zwischen dem An nehmen und dem Aufnehmen einer Sache liegt eine weite Kluft ! — Aufnehmen etwas Fremdes heißt, in befruchtender Weise das Neue mit dem bewährten Alten verknüpfen ; dieses Alte ergänzen und be-. reichern.
Denn das Eigene, dieses innere Sein, das historisch von den Vätern her Überlieferte darf ein Volk niemals preisgeben, will es sich nicht selbst verlieren.
Jene Verschmelzung ist ein mühsamer, aber lohnender Prozeß! — An die Stelle der trügerischen Einbildung, welche mit dem wohlfeilen Firnisse bisher sich begnügte, tritt dann hervor ein, der Volksseele entsprossener und darum gesunder, Kraft und Segen mit sich bringender, * Fortschritt! — Es eröffnet sich demnach für die orientalische Welt jetzt nur ein doppelter Ausweg, um aus diesem Zustande der gegenwärtigen Entkräftung zu kommen.
Entweder man entschließt sich zur Aufnahme der ganzen und der gediegenen, nicht aber der halben und der oberflächlichen, Kultur Europas, oder man bricht mit jener bisherigen Halbheit, und kehrt, unter Ablehnung alles Fremden, zu den einfachen, gesunden, dem Wesen der Orientalen so entsprechenden, Prinzipien des Islam zurück, auf welchen einst die sieghafte Kraft seines ersten Auftretens in der Weltgeschichte beruhte. Daß für das Einschlagen dieser letzteren Richtung eine starke Stimmung in der mohammedanischen Welt vorhanden ist, beweist der laute Ruf nach einem religiösen Reformator (Mahdi), und das sich wiederholende Auftreten eines solchen gerade in unseren Tagen. Ein Reformator, in dem der Geist Gottes wohnt; welcher der Väter Religion und Sitte von den eingedrungenen, fremden Einflüssen reinigt, und, mit dem alten, einfachen Glauben, auch die Kraft zu den früheren Siegen zurückbringt. Daß man in der islamitischen Welt der Überzeugung lebt, die Stärke zu dieser inneren Erneuerung noch sehr wohl zu besitzen, beweist die Äußerung eines ihrer modernen/ Schriftsteller: „L’islam, qui a represente longtemps la puissance et la lumiere 244