Sudan Archive

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Ohne Säumen bricht Wingate noch am Spätabende des 22. Novembers auf, marschiert die ganze Nacht hindurch, begünstigt durch das Mondenlicht, und steht vor El-Ghedid am 23. November, vormittags 10 Uhr. Zum Glück fanden sich hier Brunnen, um die Leute wie die Tiere, welche während des Nachtmarsches stark mit Wassermangel gekämpft hatten, zu erfrischen.

Kundschafter melden nun, daß Abdullalii nur 14 Kilometer weiter, bei „Umm-Debrikat“ lagere. Die Kavallerie wird sofort ausgeschickt, um ihren Aufklärungsdienst zu tun, und genaue Nachricht über Stellung und Stärke des Feindes zu bringen, während der Kommandeur dem Haupt-Korps etwas Ruhe gönnt. Dann, in der nächstfolgenden Mitternacht, bricht Wingate mit allen seinen Truppen auf, in der Richtung nach Umm-Debrikat zu. Sechs Kilometer vor dem feindlichen Lager macht er Halt und stellt seine Leute in Schlachtordnung auf.

Jedes Geräusch war dabei vermieden worden. Dennoch war der Feind unterrichtet. Trommelschlag und Hörnerklang drüben im Lager der Derwische zeigten, daß man wach und kampfbereit sei. Es war nun gegen 4 Uhr morgens! — Wingate erlaubte seinen Leuten, die Gewehre zusammenzusetzen, und in einem kurzen Schlafe neue Kraft zu sammeln für die letzte Entscheidung. Der Zeiger der Uhr näherte sich der 5ten Morgenstunde. Nur erst ein schmaler, rötlicher Streif im Osten kündigte an das Nahen des jungen Tages. Grau in Grau lag noch das Feld. Da sah man zahlreiche, weiße Gestalten geräuschlos durch das Dämmerlicht sich hinbewegen. Es sind die Derwische, welche zum Angriffe schreiten.

Wingates Leute, aufspringend vom kurzen Schlafe, schließen ihre Reihen und eröffnen das Feuer auf die heranschloichenden Linien. Bald ist die Schlacht im vollen Gange. Die Kugeln der Kanonen schlagen verheerend in die dichten Haufen der Feinde ein. Und wiederum zeigt es sich hier, wie bei Kerreri, daß alle persönliche Bravour und jede Todesverachtung doch im Grunde machtlos sind gegen die zerstörenden Wirkungen einer gutbedienten, modernen Artillerie. Nach einer halben Stunde lag das Feld, wie übersät mit den Leibern hingestreckter Derwische. Man konnte sie an ihren weißen, mit bunten Lappen übernähten, Kitteln erkennen. Der Feind hatte sich zur Flucht gewandt! — Wingate setzt sich an die Spitze seiner Kavallerie, um rasch den Fliehenden zu folgen. Ist unter ihnen Abdullahi? — Diesen, wenn irgend möglich, zu fangen, das ist die Aufgabe des Tages. Dann erst ist der Sieg ein vollständiger! — Da läuft auf Wingate ein Knabe zu, der mit auffallenden Geb erden des Befehlshabers Aufmerksamkeit zu wecken sucht. Der Oberst pariert 233

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