Facsimile · p. 220
Chartüm hinaufrückenden englischen Offiziere, Gordon und seiner ernsten Notlage gegenüber, geherrscht haben muß, das bezeugt wohl unzweideutig ein Telegramm, welches in jenen Tagen von Kitchener gesandt wurde an den Obersten Chermside, welcher in Sauakin kommandierte. Es stehen in demselben folgende Worte: „Er (Gordon) hat nun den Mahdi in der Flanke und kann seine üble Laune an ihm auslassen“. — (He has the Mahdi alongside now, and can vent his spieen on him.) — ’) In der Zeit jenes peinvollen Wartens, da nicht die geringste Kunde von Kairo aus zu ihm kommt, am 10. September 1884, entsendet er seinen Oberst Stewart auf dem Dampfer „Abbas“ nilabwärts.
„Denn“, so meint er, „wenn Europa durch Stewart den wahren Stand der Dinge im Sudan erfährt, so würde die englische Regierung aus Scham zur Tat getrieben werden.“ 2 ) Stewart führte in seinem Gepäck mit sich alle auf Chartüm bezüglichen, wichtigen Dokumente, so wie auch den Schlüssel zu den, zum Teil chiffrierten, Schriftstücken. Er war begleitet von dem englischen Konsul Power, dem französischen Konsul Herbin und 19 Griechen. Der Dampfer war gepanzert, trug eine Bergkanone, wurde eskortiert von 2 Segelbarken und hatte zum Führer einen sehr zuverlässigen arabischen Ras — (Steuermann) — , welcher das Fahrwasser genau kannte. Außer der Schiffsbemannung befanden sich an Bord noch 50 Soldaten.
Genug, es war keine Vorsichtsmaßregel unterlassen! — Das Auslaufen dieser Expedition war, wie schon gesagt, durch Gordons Sekretär Awaan an den Mahdi verraten. Die Derwische besaßen damals noch keine Mittel, den Verkehr auf dem Strome zu hindern. Gegen die an dem Ufer hier und da errichteten Batterien schützten die Breite des Fahrwassers, sowie auch die auf dem Bug der Fahrzeuge angebrachten Panzerplatten. Eine Flottille besaßen die Derwische damals noch nicht, um angriffsweise auf dem Wasser Vorgehen zu können. Später, nach dem Falle Chartüms, fielen ihnen alsdann sämtliche 9 Dampfer Gordons in die Hände. Gordon hatte Stewart dringend gewarnt, nicht in der Nähe des Ufers zu ankern, oder gar an’s Land zu gehen. Allein der Oberst war ein sorgloser, nicht weit schauender Mann, und besaß den Fehler, daß er, im Gegensätze zu Gordon, die Sudan-Bevölkerung, in ihrer Tapferkeit und in ihrer Verschlagenheit, weit unterschätzte. Angelangt unterhalb Berber, bei Dar Djumna, fährt der „Abbas“ sich fest. Anstatt nun sein Flottwerden abzuwarten, und das Schiff nicht zu verlassen, beschließt Stewart, in unbesonnener Weise, an’s Land zu gehen und Kamele zu requirieren, um die Wüste, in 9 pag. 257, Vol. I, The Journals, Leipzig 1885. — 2 ) Pag-16’ V°l- H, The Journals etc.
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