Facsimile · p. 217
Von europäischen Offizieren besaß Gordon an seiner Seite nur den Obersten Stewart. Und diesen sah er sich gezwungen, im September 1884, auf dem Dampfer Abbas mit einer später zu besprechenden Botschaft nilabwärts zu entsenden. Von dem gegebenen Augenblicke an steht er in Chartüm völlig allein da. Auf seinen Schultern lastet, ohne eine nennenswerte Hilfe, die gesamte Leitung der Verteidigungsmaßregeln, wie auch die Überwachung der Bürgerschaft. Oft wünscht er zu seiner Unterstützung sich Leute herbei gleich Zuber, Gessi, Slatin. Nur ägyptische und sudäner Offiziere umgeben ihn. Letzteren erteilt er aber unbedingt den Vorzug vor jenen. Jener Männer Unzuverlässigkeit, ja seihst Verlogenheit klagt er bitter an. Alle Befehle müssen, in Interwallen, stets wieder eingeschärft werden. „Es mache wohl die heiße Luft“, meint er spottend, „daß Worte und Befehle so schnell hier verdunsten“ ! — Aufgestellte Wachen findet er nicht auf ihrem Posten und muß 40 Peitschenhiebe ihnen zudiktieren.
Offiziere, welche du jour haben, werden in ihren Betten angetroffen. Sie unterlassen wichtige Meldungen; ja, selbst Unterschlagungen werden ihnen nachgewiesen, und zwar an den Kationen, welche den Soldaten zuzumessen waren. „The worst of the matter is, that you cannot believe one word the officers say“.
1 ) Die Zivilbevölkerung in dem eingeschlossenen Chartüm betrug 40 000 Seelen, darunter viele Kinder und Weiber, auch solche, deren Männer in den Regimentern des Mahdi fochten. Es war Gordons Gutmütigkeit, welche ihn abhielt, diese auszuweisen, um auf solche Art unnütze Esser zu entfernen. Ja, was das Üblere war, ebensoviele Spione hatte er in seiner Stadt. Auch bei den Vornehmen war die Treue im Wanken. Die arabischen Geistlichen (Ulema) hatten in einem offenen Briefe, 2 ) gerichtet an den Mahdi, dessen göttliche Sendung bestritten, jedoch heimlich in einem zweiten Schreiben hinzugefügt, daß nur, gezwungen von Gordon, sie jenes ausgesprochen hätten. Den Schech-el-Isläm, den Kadi, den Mudir und andere Würdenträger, im ganzen 16 Personen, 3 ) mußte er gefangen setzen, weil sie verdächtig waren, mit dem Mahdi in geheimer Verbindung zu stehen.
Selbst seinen Sekretär Awaan bezichtigt er, den Mahdi verständigt zu haben über die Entsendung des Dampfers Abbas, mit Oberst Stewart und wichtigen Papieren an Bord, was zur Wegnahme jenes Schiffes führte. Das zwang nun ihn, diesen von Herzen so gütigen Mann, zu großer Strenge. „Die Sporen sind ihnen stets in den Flanken“, so bekennt er selbst; „sie führen ein Hundeleben; sie können, wenn sie mir Auge in Auge gegenüb erstehen, nicht ein Schwefelholz festhalten, so zittern ihnen die Hände!“ — 0 pag. 62, Yol. II, The Journals, etc.
2 ) pag. 125, Vol. II, Appendix D, The Journals, etc.
3 ) pag. 239, Vol. I, The Journals, etc.
Sclioenfeld, Erythräa. 1 177