Sudan Archive

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Das war auf beiden Seiten nicht der richtige Weg, um friedliche und erfreuliche Zustände in den neu erworbenen Ländern zu schaffen. Wenn so des Herrschers eigner Sohn sich zeigte, was sollte man dann von den Fernerstehenden erwarten?

Der ägyptische Sudan und die Aquatorial-Provinz, für beide galt als sie scheidende Grenze der 10 te Grad nördlicher Breite, wurden meistens getrennt verwaltet, jedes Gebiet durch einen eigenen General- Statthalter, welcher nur dem Chedive verantwortlich war. Diese Männer vereinigten in ihrer Hand die Militär- und Zivil-Gewalt. Sie hatten das Recht, ihre Untergouverneure selbst zu ernennen, und übten auch auf die Beförderung der ihnen unterstellten Offiziere der Armee einen entscheidenden Einfluß aus. Leute von solcher Machtfülle bedurften einer besonderen Auswahl.

In gerechter Würdigung der bewährten Gewissenhaftigkeit europäischer Beamter, wurden diese für die leitenden Stellen im Sudan bevorzugt.

Männer, wie Gordon, Emin, Slatin, finden wir als Generalstatthalter verwandt. Lupton, Gessi als Unter- Gouverneure. Doch scheiterte deren bestes Wollen meistens an der Unzuverlässigkeit der ägyptischen Unterbeamten. Diese hielten den Aufenthalt in dem Sudan in der Regel für eine Strafe und rächten sich für ihr gelangweiltes Dasein an der eingeborenen Bevölkerung. Jedenfalls wünschten sie mit möglichst gefüllten Taschen heimzukehren. Gordon schätzt die Summe des von den ägyptischen Paschas im Sudan zusammengestohlenen Geldes ab auf 600 000 Pf. StrlJJ Und Schweinfurth nennt jene Leute übertünchte Effendis, bei denen, nach Abstreifung des erborgten Flitters, ein Kern bliebe, roher, als der roheste Nubier. Er charakterisiert näher den einen von ihnen, namens „Ibrahim“, welcher nach den schwersten Betrügereien und Fälschungen, verübt zu Chartüm, zur Strafe nach dem Inneren des Sudan versetzt ward, um hier nur noch unangefochtener seine üble Rolle weiterzuspielen. 2 ) Die Steuern, der Bevölkerung aufgelegt, waren mannigfaltig: Kopf-, Grund-, Markt-, Verkaufs-, selbst Schöpfrad-Steuern. An sich schon drückend, wuchs diese Last durch deren ungerechte Verteilung. Groß-grundbesitzer und Großkaufleute, denen es gelang die ägyptischen Beamten zu bestechen, kamen mit einem Minimum davon, indem sie die ihnen gebührende Last abwälzten auf den kleinen Grundbesitzer und den kleinen Kaufmann, welche sich dann, außer dieser Uberbürdung, noch geplagt sahen durch die Roheiten, mit denen solche Steuerrückstände eingetrieben wurden.

Dieses Eintreiben besorgten ägyptische Soldaten, oder auch Dongolaner, von denen ein arabisches Sprichwort sagt : „Es sind mit Menschenhaut überzogene Teufel. !“ 3 ) ’) pag. 92, Vol. I., G. Gordons Journals. Leipzig 1885.

2 ) p. 381, Teil II. „Im Herzen von Afrika“ v. Dr. Georg Schweinfurth, Leipzig 1874.

3 ) Pag- 120, Slatin, der einige Zeit, in Gordons Aufträge, Finanz-Inspektor im Sudan war.

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