Facsimile · p. 152
KAPITEL XX.
In Omdurmän.
Chartüm und Omdurmän 1 ), durch einen Weg von nur vier Kilometern getrennt, sind noch heute Rivalen, gleich wie sie einander feindlichen Tendenzen ihren Ursprung verdanken. Ist der Name „Chartüm“ erklärbar (= Elefantenrüssel), so ist der Ursprung des Wortes „Omdurmän“ dunkel. „Umm“, oder auch „Omm“ heißt Mutter, und Durmän ist ein Eigenname. Wer und was dieser Durmän aber einmal gewesen ist, weiß niemand zu sagen. Während Chartüm als Stadt auf ein Alter von 65 Jahren zurückblickt (die zwölfjährige Zeit seiner Zertrümmerung von 1886-1898 miteingerechnet), zählt Omdurmän nur ein Alter von 18 Jahren. Ursprünglich standen auf beiden Plätzen unbedeutende Fischerdörfer. Während Chartüm heute knapp 7—8000 Einwohner zählt, besitzt seine Nachbarstadt Omdurmän noch immer 50,000; zu den Zeiten der Derwischherrschaft aber hatte es oftmals 300,000 bis 350,000. Die Zahl wechselte in jenen Tagen; denn die zum größten Teil bewaffnete Bürgerschaft flutete, je nach den Schwankungen des Krieges, hier auf und ab.
Dieser großen Zahl entsprechend, zeigt sich denn auch das Stadtbild von Omdurmän noch heute in imposantester Ausdehnung, 11—12 Kilometer 9 Ich muß an dieser Schreibweise festhalten, im Widerspruch mit Herrn v. Tiedemann, der Omdermän zu schreiben empfiehlt. (Note auf pag. 3 des Beiheftes 1 u. 2 zum Militärwochenblatte 1904 zu seinem Aufsatze: „Meine Erlebnisse im Hauptquartier Lord Kitcheners“ etc.). Ich habe von keinem Eingeborenen, weder an Ort und Stelle, noch in anderen Teilen des Sudan, die Aussprache Omdermän, sondern stets nur Omdurmän gehört. Auch berufe ich mich, als für mich sprechend, auf das amtliche Verzeichnis der „Rules of Orthography for native names of places, persons etc. in Egypt and the Sudan, second edition, Cairo, War Office printing press. 1901“; auf pag. 21. — 118