Sudan Archive

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wohl 40 bis 50000 Köpfe, sowie auch die Kassen und das Kriegsmaterial nilabwärts zu führen, um sie zu retten vor den anstürmenden Horden des Mahdi.

Das bedeutete eine Auflösung der bestehenden ägyptischen Regierung, und das Preisgeben einer 50jährigen Kulturarbeit.

Gordon, am 18. Februar 1884 in Chartüm angelangt, und, als ein alter wohlwollender Freund, von der Bürgerschaft enthusiastisch begrüßt, erkannte zweierlei; nämlich, daß die Wegführung jener 40 bis 50000 Seelen leichter befohlen, als ausgeführt sei, und, daß die Lage Chartüms nicht so verzweifelt stände, wie man sie in Kairo sich ausgemalt hatte. Er beschloß zu bleiben, die bestehende Regierung nicht aufzulösen, und die Stadt um jeden Preis zu halten.

In London nahm man dem General diesen selbständig gefaßten Entschluß sehr übel. Man hatte dort dem ganz entgegengesetzte Pläne mit dem Sudan, welche an einer anderen Stelle dieses Buches ihre Erörterung finden werden.

Unter dem Drucke der öffentlichen Meinung entschied man sich zwar dafür, ein Hilfs-Korps nilaufwärts zu senden, und den, so verdienten, wie beliebten, General aus seiner mit jedem Tage bedrängter und bedrängter werdenden Lage, in dem von den Heeren des Mahdi nun engumklammerten Chartüm, zu befreien; allein, das Yorschieben dieser Kolonnen geschah doch so auffallend zögernd, daß selbst Gordon, an den redlichen Willen seiner Landsleute, hier wirklich helfen zu wollen, den Glauben verlor. Die Äußerungen in seinen Tagebüchern 1 ) geben an den verschiedensten Stellen dafür den beredtesten Ausdruck. Vergebens stieg er täglich, mit dem Teleskope in der Hand, auf das flache Dach seines Hauses, um sehnsüchtig nach Norden, und nach Hilfe, auszuschauen; vergebens ließ er auf diesem Dache jeden Abend seine schwarze Musikbande spielen, um den Bürgern eine hoffnungsfrohe Stimmung vorzutäuschen.

Die ersehnte englische Hilfe kam nicht zur rechten Zeit! — Chartüm, und mit ihm der General, fielen am 26. Januar 1885 in die Hände der Feinde. — Achtundvierzig Stunden später aber kam die englische Vorhut, unter Oberst Wilson, auf zweien Dampfern, langsam und zögernd flußaufwärts heran.

Und, als der Oberst aus der Ferne bemerkte, daß des Generals Standarte auf seinem Schlosse nicht mehr wehte, also die Kunde, Chartüm sei genommen, wahr sei; da ließ er das Steuer wenden, und zog sich, ohne einen Kampf zu wagen, schleunigst zurück. Gordons Kopf aber blieb unbestritten in den Händen des Mahdi. Das war kein Tag des Ruhmes für England gewesen! Was hilft es jetzt dem edlen General, daß englische Hände ihm eine *) The Journals of Major-Gen. C. G. Gordon at Kartoum. Vol. I u. II. Leipzig 1885.

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