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KAPITEL I.

Yon Kairo über Suez nach Massäua.

Zwei Monate hatte ich in Kairo geweilt, um mich auf die Reise durch

Erythräa und den ägyptischen Sudan vorzubereiten. Offen gestanden, mir

hatte dieses Mal der Aufenthalt dort viel weniger behagt, als vor zwei

Jahren. Kairo schreitet zurück. Der Schmutz in den Straßen, nicht bloß

in der Araberstadt, sondern auch in dem modernen Viertel Ismailia, seihst

bei trockenem Wetter, fiel mir auf. Eigentlich gibt es nur einen wirklich

sauber gehaltenen Weg dort, die Promenade vor den beiden Hotels

Shepheard und Continental, und vielleicht noch den Opernplatz. Dazu kommt der betäubende Lärm in den Gassen und das sich

häufende Bettelvolk, welches in der Rolle von Musikanten, Akrobaten, Ver-

käufern, Führern, Dolmetschern, Stiefelputzern, echten und unechten Krüppeln,

durch niemand gehindert, auf den Fremden sich wirft, klettenhaft an ihn

sich hängt, straßenweit ihn verfolgt, bis der übliche Bachschisch endlich

entfallen ist. Es gibt, verglichen mit dem Reichtum anderer Städte der Levante,

hier nicht sehr viele altarabische Bauwerke von Belang, denn die inter-

essantesten Anlagen aus den Zeiten der Chalifen und der Mamelucken sind

in argem Verfall, und auch das arabische Volksleben, welches gerade hier am Kreuzungspunkte des internationalen Verkehrs, hastig mit europäischer

Kultur sich durchtränkt, verliert zusehends von seiner echten Farbe. Dazu kommt das wenig malerische Kostüm der eingeborenen Ägypter. Die lange,

schleppende, weiße oder blaue Tobe, der kegelförmige Tarbusch, die dicken,

wollenen Tücher, in welche sie beim Wehen jedes frischen Lüftchens Kopf und Schultern fest einpacken, das alles gibt den Männern einen fast weibischen

Anstrich. Wem könnte das gefallen, vergegenwärtigt man sich das flotte,

farbenfrohe Kostüm der Araber, zum Beispiel in Tripolitanien und Tunisien

Schoenfeld, Erythräa. 1

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