Sudan Archive

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Vor dem Eingänge zu jenen, im Karree gebauten, Regierungsgebäuden, wehen an zwei hohen Masten, für den Eintretenden rechts die englische, links die ägyptische Flagge. Sie bezeichnen also dieses Quartier als das Zentrum der Stadt. Die äußerst geringe Bautätigkeit, welche man an öffentlichen, wie an privaten Bauwerken hier beobachtet, scheint dafür zu sprechen, daß die englische Regierung es nicht im Sinne hat, in nächster Zeit, Erhebliches für diesen Platz aufzuwenden. Die Einwohnerzahl der Stadt Kassala, einschließlich der rings um dieselbe sich hinziehenden Tukül der Eingeborenen, wird zur Zeit auf 2—3000 veranschlagt. Die Garnison besteht aus 700 Mann Infanterie. Der Mudir (Gouverneur) der Stadt und Provinz Kassala, in dessen Hand die oberste Militärwie Zivilgewalt vereinigt liegen, ist zur Zeit der englische Oberst Henry, welcher, von seinem Regierungssitze abwesend, durch den englischen Major Dweyer vertreten wurde. Zwei andere englische Offiziere, ein Kapitän und ein Oberleutnant, stehen ihm in leitender Stellung zur Seite. Die subalternen Stellen werden durchgehend mit ägyptischen Offizieren besetzt. Der Verkaufsmarkt, welchen ich mir in den, noch am meisten belebten, Morgenstunden ansah, war spärlich besucht. Auch der Handel mit wilden Tieren, seinerzeit unter den Aufträgen Karl Hagenbecks hier so schwungvoll betrieben, hat ebenfalls völlig aufgehört, da die Engländer ein sehr strenges Jagdgesetz für den Sudan erlassen haben. Herr Major Dweyer, den ich am Morgen des 8. Februars, sofort nach meiner Ankunft in Kassala aufsuchte, um ein amtliches Einführungsschreiben aus Kairo zu überreichen, hatte die Freundlichkeit, zur Errichtung meiner Zelte jenen Regierungsplatz mir zu gestatten; und ich wählte die Stelle zwischen seinem Wohnhause und seinem Gemüsegarten.

Wenige Schritte führten mich aus meiner luftigen Behausung zu seiner Residenz.

Diese war nichts weniger, als komfortabel. Im Äußeren nur ein roher, einstöckiger Erdwürfel, mit schlecht zusammengezimmerten Fenstern und Türen, besaß das Gebäude auch im Inneren nichts, als die allernotdürftigste Ausstattung. Der Inhaber dieser Wohnung, schon vier Jahre am Platze, ist wie alle englischen Offiziere, welche ein Kommando nach dem Sudan erhalten, den Bestimmungen gemäß, unverheiratet. Der Herr Major hatte die Güte, mich ein für allemal zum Gabelfrühstück, wie zum Diner, an seine Tafel zu laden. Diese war überraschend gut besetzt, entbehrte jedoch ganz der frischen Früchte, dieses Labsals des Südens ; denn die Umgegend der Stadt schmückt kein Fruchtbaum. Wir speisten allein, da die beiden anderen englischen Offiziere eine Tischgemeinschaft für sich bilden; und von diesen wiederum getrennt essen die 77

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