aus über Wädi-Halfa, Abü-Hammed und Berber nach Chartüm hin, und
wieder zurück, also zweimal zu machen, beschloß ich, von Osten her über Massäua und Kassala nach Chartüm vorzudringen. Auf diese Weise erwarb
ich den Vorteil, zugleich Erythräa und das Flußgebiet des Blauen Nils kennen zu lernen.
Außer einzelnen Notizen, welche ich jenem italienischen Diplomaten
verdankte, die sich im wesentlichen aber nur auf den kurzen Weg zwischen Massäua und Agordat bezogen, besaß ich nicht den geringsten Fingerzeig
für mein Reiseunternehmen.
In Neapel fand ich gute Karten über Erythräa, aber weder dort, noch in Berlin, irgend ein brauchbares Blatt über den ägyptischen Sudan, von größerem Maß stabe. An einen gedruckten Reiseführer war ja selbst-
verständlich nicht zu denken. So handelte es sich denn um eine Ent-
deckungsreise, um das Forschen und Erkunden an Ort und Stelle, um eine
Entscheidung von Station zu Station. Zum lebhaftesten Danke fühle ich mich daher verpflichtet der
deutschen, der englischen, und der italienischen Regierung, welche durch
ihre warmen Empfehlungen meine Reise ebenso erleichtert wie auch ge-
fördert haben. Schon das war eine Folge dieser Empfehlungen, daß in
Kairo, durch den Chef des Generalstabes für den ägyptischen Sudan, mir
Karten und Berichte zur Verfügung gestellt wurden, welche geeignet waren,
die ersten Aufklärungen über die Verbindungslinie Kassala, Gadäref, Wäd-
Medani, Blauer Nil und Chartüm zu geben.
So trat ich denn, begleitet von zuverlässigen arabischen Dienern, und
mit einer vollständigen Karawanenausrüstung meine Reise, im Januar 1903,
über Suez an.
Erfahrungen, Erlebnisse und Beobachtungen in den darauffolgenden Monaten gesammelt, habe ich in diesen Blättern niedergelegt. Es wird dem Reiseberichte keinen Eintrag tun, daß ich eine Geschichte des Auf-
baues der Kolonie Erythräa, sowie der bewegten Vorgänge im ägyptischen
Sudan, während des Zeitraumes von 1819 bis zur Gegenwart, in gedrängter
Darstellung, anschließe. —
Das historische Material sammelte ich besonders in der Bibliothek
des Chedive in Kairo, welche auch Fremden, in bereitwilligster Weise, ihre
Schränke und Lesezimmer öffnet. Als wertvoll fand, und benutzte ich dort
Paul Combes, L’Abyssinie en 1896, Paris 1896; — Baron A. v. Falken-
egg, Studien über Abessynien, Berlin 1902; — The sacred city of the
Ethiopians, being a record of travel and research in Abyssinia in 1893 by
J. Theodore Bent, London 1893; — Theodor Neumann (Konsul a. D.),
Das. moderne Ägypten, Leipzig 1893; — Lane, An account of the manners
and customs of the modern Egyptians, London 1842; — Joseph Ohrwalder,
Aufstand und Reich des Mahdi, Innsbruck 1892; — Report on the Nile
II