Sudan Archive

Open the original scan

Feudaler Ur¬ sprung der Charter .

Konstitutin nelle Schwierig -gQ keiten Sir H. Gilbert folgung dieser Idee bestimmt gewesen zu sein ; er erhielt die Erlaubnis , Verbrecher von den Gefängnissen zu nehmen , um da¬ mit die entdeckten Länder zu besetzen . Eine 1574 von einigen Edelleuten an die Königin gerichtete Petition , ein Unternehmen zur Entdeckung von gewissen reichen und unbekannten Ländern zu gestatten , von denen die Petenten in fast prophetischem Geiste sagten , „ daß sie von der Vorsehung unzweifelhaft für England bestimmt seien " ( „ fatally and it seemeth by Providence destined for England " ) , scheint die direkte Veranlassung für die Erteilung der Konzession an Sir H . Gilbert gewesen zu sein . Die in der englischen Kolonialgeschichte immer wiederkehrende Verleihung von Gebiet durch solche , meistens als „ Charter " , „ Freibrief " , bezeichnete Konzessionen , wird als ein Ausfluß des alten feudalen Rechts und Auffassung anzusehen sein , nach denen alles Land dem König gehörte und von ihm unter ge¬ wissen von ihm festzusetzenden Bedingungen an andere verliehen werden konnte . Die Erteilung solcher „ Charter " in den Kolonien unterschied sich in nichts Wesentlichem von der Schaffung von „ Pfalzgrafenschaften " in England . Die so verliehene Macht wurde durch die in der Verleihungsurkunde ausgesprochenen Be¬ dingungen beschränkt . An die Rechte der Eingeborenen dachte niemand . Wenn sich später in England selbst konstitutionelle Schwierigkeiten aus der Verleihung solcher „ Freibriefe " ergaben , lag dies daran , daß die Grenzen der Macht zwischen Krone und Parlament zur Zeit der Verleihung nicht scharf gezogen waren und nicht feststand , ob es nicht neben der englischen Nation unter der Kontrolle des Parlaments ein englisches Reich unter der ausschließlichen Herrschaft der Krone geben könne . Ein anderer Grund für die Erteilung dieser Freibriefe und da¬ mit für den Entwickelungsgang der englischen Kolonialpolitik war die Mittellosigkeit der Krone , die durch dieselbe genötigt wurde , sich für Fragen von weiterliegendem Interesse an den Unternehmungsgeist der Nation zu wenden .

Sir Humphrey Gilbert erhielt die Ermächtigung „ heidnische Länder zu entdecken , die keinem christlichen Fürsten gehörten , und dieselben zu halten und zu genießen mit allen Vorteilen , Ge¬ rechtsamen und der Krone zu Wasser und zu Lande zustehenden Gefällen " . Ihm waren so keine geographischen Grenzen gesetzt , wie denn die englische Regierung 1580 Spanien erklärte , daß sie „ Titel ohne Besitznahme nicht anerkenne " (that prescription without possession availed nothing ) . Ein Fünftel alles gefundenen Goldes und Silbers fiel der Krone zu . Niemand durfte sich ohne Sir H . Gilberts Erlaubnis in einer Entfernung von 200 Meilen (365 km ) von dem Platze ansiedeln , an dem er sich inner¬ halb der nächsten acht Jahre niedergelassen haben würde . Er erhielt zugeich Vollmacht , Gesetze und Verordnungen zu erlassen „ so ähnlich wie angänglich den Gesetzen des Reichs und nicht im Widerspruch mit der christlichen Religion , wie die englische Kirche sie bekenne . " Diese letztere Bestimmung findet sich in vielen der später erteilten Freibriefen , die religiöse Freiheit der

Text produced by OCR — report an error