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Ich bin dazu berufen, denn wahrend zehn langer Jahre habe ich mit Emin Seite an Seite gelebt und zugleich selbstbeteiligt oder ais Augenzeuge allem beigewohnt, was sich abgespielt hat. Ich verliess ihn nur, um die gewóhnlich kurzeń Missionen auszufiihren, mit denen er mich beauftragte. Die Ssudanesen nannten mich, wie ich ohne Eitelkeit und ausschliesslich zur Charakterisierung meiner Stellung zu Emin Pascha sagę: chaschm el mudir »die Zunge des Mudir«; ich war nicht allein Teilnehmer seiner Hand- łungen, sondern auch der Vertraute seiner meisten Gedanken. Infolge meines langen Zusammenlebens mit Emin und stets in Beriihrung mit ihm, hatte ich seine geheimsten Seelenregungen kennen gelernt, so dass ich schliesslich im Stande war, bei Allem was er auch thun oder befehlen mochte, war es auch an- scheinend unbedeutend, ohne Miihe und mit einer selten fehlenden Sicherheit das direkte oder indirekte Ziel, auf das er hinstrebte, zu errathen.

Das Recht, dieses Buch zu schreiben, habe ich demnach sicher; ich fiige hinzu, dass ich auch die Pflicht hierzu habe, denn es wird sich mir dabei Gelegenheit bieten, Irrthiimer aufzudecken, unter denen mein ehemaliger Chef sonst leiden kónnte.

Jedoch soli man nicht etwa glauben, dass es meine Absicht sei, ein Loblied auf Emin Pascha anzustimmen; ich werde viel- mehr die Irrthiimer, die er begangen hat, offen und unparteiisch darlegen. Gleichzeitig aber werde ich auch jene seltene Gute, welche mehr die Tugend eines Missionars ais eines Gouverneurs und Soldaten ist, gebiihrend wiirdigen, eine Gtite, die Stanley und alle welche mit Emin verkehrt haben, zu konstatieren hatten, ohne zu einem Verstandnis derselben durchdringen zu kónnen. Ich werde die Schwachen des Mannes nicht vergessen, die die unvermeidlichen Folgen jener iibermassigen und missbrauchten Gute waren. So wollte Emin Pascha niemals die Revolution im Keime ersticken, die sich um ihn vorbereitete; und nach seiner Erniedrigung durch die Gefangenhaltung in Dufile verzieh er weniger dem Drange der Noth gehorchend, ais aus Gute.

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