Facsimile · p. 143
K A P IT E L XII.
Religion. Sitten und Gebrauche. Mut des Arabers. Seine Unempfmdlichkeit gegen Schmerz und seine Todesverachtung. Der Ssoth oder Peitsche. Die Hochzeitsfeier. Die Merara und der Selat (Lieblingsspeisen). Die Saffa oder Hochzeitszug. Die Ghalwa oder Brauttanz. Pomadę. Delka und Lachocha. Sehama. Beschneidung der Knaben und Madchen. Begrabnisceremonien. Tasmighat el Scha’ar oder Haarfrisur. Die Schaigeba. Die Ehe in Kordofan. Die Ehe bei den Hassanije. Der Sozialismus des Stammes Walad Abu Gerid. Charakter des Ssudanarabers.
Die arabischen Stamme des Ssudan gehóren alle der muhammedanischen Religion nach hanefitischem Rekenntnis an, falls sie sich nicht irgend einer Sekte, wie z. B. den Ssenusije, die erst ganz kiirzlich im Ssudan aufgekommen sind, angeschlossen haben. Ihre Gebrauche aber differieren von den Muhammedanern der anderen Lander in hohem Grade, und die Ceremonien bei den wichtigsten Lebensereignissen, die bei den anderen Muhammedanern mit geringen Unterschieden dieselben sind, sind bei den Ssudanarabern vóllig verschieden. Sie tragen samtlich den Stempel jenes wilden Stolzes, jenes Mutes und jener Schmerz- und Todesverachtung, die den Grundzug des Charakters dieser Stamme bildet.
Es giebt ein Spriichwort: Die Gebrauche machen die Gesetze. Man kann noch hinzufugen, dass sie die Geschichte eines Volkes erklaren und rechtfertigen. Um also die Araber des Ssudan wirklich zu verstehen, wird es nicht unniitż sein, ihre Sitten und Gebrauche kurz zu skizzleren.
Mit geringem Unterschiede ist der Araber des Ssudan derselbe, gleichviel, welchem Stamme er auch angehórt. Er ist mutig bis zur Verwegenheit, bis zur unbegreiflichsten Tollkiihnheit. Er kann nicht begreifen, dass man vor irgend etwas Furcht haben konne.