gabung für das Finanzweſen, von weit überragender diplomatiſcher
Gewandtheit, zwar mit einem recht weiten und robuſten Gewiſſen
in politiſchen Dingen, aber von abſoluter Integrität, dies in wohl-
tuendem Gegenſatz zu manchen ſeiner Landsleute in Agypten, blieb
er auch in den Jahren ſeiner Machtfülle in ſeinem perſönlichen
Auftreten einfach, ein Feind von Pomp und Poſe. Allerdings
durfte er ſeine Talente auch frei entfalten. Er erkennt rühmend an,
daß die heimiſche Regierung ihm nie mit Inſtruktionen und Di—
rektiven die Hände gebunden habe (I, 323), eine Behauptung,
die indes wohl nicht ganz buchſtäblich zu nehmen iſt.
Es lohnt ſich wohl zu verfolgen, wie der „Macher des neuen Agyptens“ es fertiggebracht hat, ohne Anwendung von Gewalt
vor den Augen des mißgünſtigen Europa Agypten aus einem tür⸗
kiſchen Vaſallenſtaat in ein de facto engliſches Protektorat um⸗
zuwandeln und in ſeiner Perſon als einfacher doyen des diplo—
matiſchen Korps, alſo ein primus inter pares, eine Machtfülle zu
vereinigen, wie ſie kaum ein Pharao oder Sultan der alten Zeit
beſeſſen hat.
Zunächſt handelte es ſich darum, eine immerhin noch zu befürch—
tende Intervention der europäiſchen Mächte zu verhüten. Denn er⸗
baut war keine von dem engliſchen Einbruch in Agypten, und an wirk—
lichem Vorwande hätte es namentlich Frankreich bei ſeinen vielen
finanziellen Intereſſen nicht gefehlt — es hatte damals ſchon über
eine Milliarde im Lande feſtgelegt — wie es denn auch tatſächlich
im Laufe der nächſten zwanzig Jahre in der Politik der bisweilen
recht groben Nadelſtiche ſich nicht genugtun konnte. Es wurde
16