Facsimile · p. 261
haltenden Kanonenboote hatten weiße Derwisch-Gestalten in stärkeren Gruppen auf der hochragenden Zinne von Abdullahis Schloß bemerkt und dorthin gezielt, nicht ahnend, daß ihre Geschosse die eigenen Landsleute bedrohten.
In der nächstfolgenden Nacht blieben nur einige schwarze Bataillone in der Stadt zurück zum Schutze der Häuser der Emire, der Staatsgebäude und der Magazine, welche letztere noch enorme Vorräte an Waffen und an Getreide enthielten. Man fürchtete deren Plünderung durch die Bürgerschaft.
Die Ruhe wurde indessen, trotz des Heulens, des Schreiens und Wehklagens, welches von allen Seiten her erklang, auch wohl einiger gelegentlicher Schüsse, durch nichts auf ernstliche Weise bedroht.
Bevor die Sonne dieses Tages sank, erhielten übrigens ihre Freiheit, durch den Sieger, sämtliche, in Ketten und Banden gehaltene, Gefangenen des Mahdi. Unter diesen auch unser Landsmann Neufeld. Währenddessen befand sich der Mahdi auf freiem Fuße und auf der Flucht. Nach kurzem Aufenthalte in seinem Palaste hatte er sein schnelles und andauerndes Maultier bestiegen, um, begleitet von seinem Sohne Etmän, seiner Lieblingsfrau, und 150 Mann seiner berittenen Leibgarde, durch die engen Gassen der südlichen Vorstadt zu entkommen, während bereits von der Nordseite her die Verbündeten in die Stadt einzogen. Das Ziel seiner Flucht war augenscheinlich El-Obe'id, im Inneren Kordofäns.
Slatin, welcher von dem Sirdar den Befehl erhalten hatte, mit einer Schwadron ägyptischer Kavallerie der Fährte des Fliehenden zu folgen, setzte ihm nach bis tief in die helle Mondennacht hinein, kehrte dann aber, da die Entfernung zu beträchtlich, und die Erschöpfung der Pferde zu groß wurden, unverrichteter Sache nach Omdurmän zurück.
Was hatte der Mahdi während der wenigen Stunden, die er dort blieb, aus seinem Hause an wichtigen Papieren und Wertstücken mitgenommen? — Wo lag sein Schatz? — Daß er einen solchen besessen haben muß, ergibt schon der Vergleich mit der Vermögenslage seiner Groß-würdenträger, z. B. mit Säki-Gamil, der 50 000 Maria -Theresia -Taler, in Säcken verpackt, in seinem Hause zurückgelassen hatte, als er plötzlich zum Tode abgeführt wurde. Wievielmehr nicht Abdullahi, der an erster Stelle aus den Staatseinkünften schöpfte, und bemüht war, seinem Hause das Erbfolgerecht in der Sudänherrschaft zu sichern, wozu doch die Rückendeckung durch Kapitalien erforderlich ist. Auch würden die genau geführten Bücher des Bet-el-mäl das Vorhandensein von Barmitteln nachweisen.
Merkwürdiger Weise wurde solch ein Schatz des Mahdi von dem Sieger nirgends gefunden! — Birgt ihn noch irgendwo der Schoß der Erde ? — Fassen wir nun das Ergebnis dieses Feldzuges und der Schlacht von 219