gestreckt in ihren Reisestühlen. Das Wasser zeigt kaum eine leise Wellen-
bewegung. Wir gleiten, wie auf dem Parkett, dahin. Da traten auch meine beiden Diener an mich heran, um mich zu
begrüßen. Auch sie haben sich festlich geschmückt, um ihrer Freude an
der schönen, glatten Fahrt Ausdruck zu geben. Hassan trägt einen violett
seidenen Kaftan, Mursi eine tadellos weiße Igippa, welche ihm gleichfalls
bis auf die Füße reicht. Beide haben ihre dunkelrote Schechia mit einem
weißen Turban umwunden. Sie kreuzen nach morgenländischer Sitte die Arme über der Brust und verneigen sich. Nach den gestern überstandenen Mühen und Verwickelungen erquickt auch sie der Genuß dieser wohl-
tuenden Stille und des Ausblickes hin über die Majestät dieses weiten,
unermeßlichen Meeres. Ich frage nach der Unterbringung unseres umfang-
reichen Gepäckes und empfange befriedigenden Bericht.
Sie sind die einzigen Orientalen inmitten dieser ausschließlich euro-
päischen Gesellschaft und werden viel beobachtet. Doch der sichere Takt
ihres bescheidenen Benehmens, die farbige Pracht ihrer Gewandung und
die Würde ihrer Haltung hält jede Kritik aus.
Sr. Exzellenz, der Generalgouverneur, erweist sich überaus zugäng-
lich auch für mich. Namentlich abends nach dem Diner sitzen wir zu- sammen auf Deck und unterhalten uns über historische und politische
Fragen, zu denen die Geschehnisse rings um die Ränder dieses Roten
Meeres, aus alter, wie aus neuer Zeit, ja den reichsten Stoff bieten.
So verläuft denn die Zeit nicht ungenutzt, und die erquickende Stille,
die warme Luft, die höfliche Gesellschaft, die ungestörte Nachtruhe, die
tadellose Verpflegung, alles wirkte zusammen, um diese viertägige Fahrt
höchst angenehm zu gestalten.
Sonntag, den 18. Januar, früh morgens, werfen wir Anker vor Massäua. Es ist der beste Hafen an beiden Ufern des Roten Meeres. Es gab einst
eine Zeit, wo die Türkei uneingeschränkt die Herrin seiner beiden Gestade
war. Heute teilen sich, außer ihr, vier europäische Mächte in deren Besitz, wenn auch in sehr ungleichen Machtverhältnissen. Es sind England, Frank-
reich, Italien und — Deutschland. Auch Deutschland? — Allerdings! —
Hier, gerade Massäua gegenüber, auf der Insel Kumah, welche zu der
Inselgruppe Farsän-el-kebir gehört, hat die deutsche Regierung unter Zu- stimmung des Sultans in Stambul das Recht erworben zur Errichtung einer
Kohlenstation. Auch wird daselbst beabsichtigt, wie man sagt, einen
Leuchtturm, einen Hafen und Befestigungswerke anzulegen. Es ist interessant, was ein soeben in Paris erschienenes Werk über
diesen Plan äußert. Herausgegeben von zwei französischen Kolonialbeamten,
G. Angoulvant, dem Generalsekretär der Kolonien und Vigneras, dem Redakteur im Ministerium der Kolonien (Djibouti, Mer Rouge, Abyssinie.
Paris 1902.) können folgende Worte wohl für eine offiziöse Stimme gelten:
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