Sudan Archive

Open the original scan

Hat man auch diesen Markt mit seinen ihn umschließenden, kreisrunden Negerhütten passiert, so dehnt sich eine aschgraue, staubige, baumlose Ebene vor uns aus, welche bis zum Uferrande des Weißen Nils hinläuft. Man sagte mir, daß auf derselben in den Regenmonaten, Juni bis Oktober, Gemüsebau betrieben werde. Jetzt sah man davon nichts. Vielmehr zog ein feiner, darüber sich lagernder, loser Staub, von den täglich wehenden starken Westwinden aüfgewirbelt, in dicken Wolken über Chartüm hin und machte, ähnlich wie in Kassala, hier das Leben beschwerlich.

Ich fand den Generalgouverneur Sir Reginald Wingate bereit, mich zu empfangen, als ich 10 Uhr morgens die breiten, weißen Steintreppen seines Schlosses, von der Gartenseite aus, zu den Privatgemächern des oberen Geschosses hinaufstieg. Es ist, wenn auch nicht dasselbe Gebäude, so doch derselbe Platz, wo einst General Gordon wohnte, und unter den Lanzenstichen der Derwische sein Leben ließ. Es geschah das in den frühesten Morgenstunden des 26. Januar 1885.

Viel hat sich seitdem im Sudan geändert! Der General, welcher die oberste Militär- wie Zivilgewalt über den Sudan in seiner Hand vereinigt, empfing mich an seinem Schreibtische, bereits mit Arbeiten beschäftigt. Und, da ich ihm zwei Einführungsschreiben vorlegen konnte, das eine von unserem deutschen Gesandten in Kairo, das andere von dem Chef der Sudan-Abteilung im Kriegsministerium, so war der Empfang dementsprechend ein sehr verbindlicher.

Ich bat ihn um die Anweisung eines passenden Platzes zum Aufschlagen meiner Zelte, und teilte ihm meine Absicht mit, Studien halber, etwa eine Woche lang, in Chartüm mich aufhalten zu wollen. Er veranlaßte sofort den Mudir, Oberst Stanton, in alledem mir behilflich zu sein, und lud mich für denselben Abend zum Essen in sein Haus.

Ein junger ägyptischer Polizeioffizier begleitete mich, auf Befehl, bis zu meiner Barke. Diese hob den Anker, und gemeinsam fuhren wir stromabwärts bis zu einem Palmenwäldchen, welches etwas unterhalb jenes obengenannten Hotels lag. Hier empfahl mir der Offizier, auf einem anmutigen Platze des hohen Stromufers, unter dem Schatten der Palmen meine Zelte aufzuschlagen, und rief den Schech eines ganz nahegelegenen kleinen Dorfes herbei, um denselben verantwortlich zu machen für die 7 i Sicherheit meiner Person, wie meines Gutes. Eben hatte die Etablierung meiner neuen Häuslichkeit damit begonnen, daß ich mir Tisch und Stühle unter die Palmen setzen ließ, um vor allem die am Morgen eingegangenen zahlreichen Briefe und Drucksachen durchzulesen, als der Steuermann meiner Barke, Ras Ahmed, auf mich zutrat, um zu melden, er hätte soeben von seinem Vorgesetzten den Befehl erhalten, zu meiner Verfügung zu bleiben, so lange als mein Aufenthalt in Chartüm dauern würde. Und nun machte Hassan den annehm-S ch o e nf e ld , Erythriia. 8 113

Text produced by OCR — report an error